• Wenn du alle Inhalte sehen, oder selber eine Frage erstellen möchtest, kannst du dir in wenigen Sekunden ein Konto erstellen. Die Registrierung ist kostenlos, als Mitglied siehst du keine Werbung!

Gesellschaft Homeoffice - Wie geht ihr damit um?

JarodRussell

Aktives Mitglied
Registriert
02.06.2003
Beiträge
3.638
Hatte ich letztes Jahr. Mörderprojekt von 2 Jahren, personeller Ausfall, etc etc. Mein Tag war morgens um 7 aus dem Bett rollen, Kaffee machen und ab zum Schreibtisch. Abends um 20 Uhr dann aufgehört oder noch später. Kurz was gegessen und wieder ins Bett. So ging das monatelang, gleichzeitig zur Quarantäne. Wenn ich mich an 2020 zurückerinner, dann kommt mir alles so surreal vor. Ich wär dann im November fast mit nem Burnout ausgestiegen, bis dahin hatte ich das komplette Jahr über lediglich 4h frei. Hab dann im November meinen „Sommerurlaub“ von 2 Wochen genossen - wovon ich auch die ersten 3 Tage noch voll bei der Arbeit war.

So ne scheisse mach ich nie wieder. Das Jahr hab ich nicht an Corona, sondern meine Arbeit verloren. Die Überstunden wurden irgendwann bei 200 gekappt und dann laufend ausgezahlt, weiß also nicht mal genau was ich da eigentlich abgeleistet hab.

Im HomeOffice arbeitet man mehr. Wesentlich mehr. Keine Wege, kein Abgelenke durch Kollegen, die man am Gang trifft. Nix. Nur reines Arbeiten. Das schlaucht auf Dauer elendig. Da hab ich gemerkt, auch wenn mein Job zu 100% HomeOffice-Fähig wäre, ich möcht das nicht.

Wir haben bald Juni - ich hab immer noch genug Urlaub von letztem Jahr übrig.
Das kann ich auch bestätigen. Dass Home Office als große Befreiung der Arbeitnehmer gefeiert wird, sehe ich mittlerweile als absolut falsch an. Am Anfang war das toll, aber ich habe meine Zweifel an dem System bekommen. Meine persönlichen Erfahrungen:

1. Es gibt keine Pausenzeiten mehr.
2. Einladungen zu Meetings werden wild über den Kalender eingeladen. Vorhandene Termine interessieren keinen mehr -> Disziplin ist völlig verloren gegangen.
3. Der Arbeitstag hat plötzlich kein Ende mehr. Termine auch bis 19 Uhr werden zur Regel, nicht zur Ausnahme. Früher war klar, ist man nicht mehr im Büro, ist halt Feierabend und die Chance dafür war spätestens nach 18 Uhr hoch.
4. Viele haben scheinbar keine Hobbies mehr. Hatte ich vorher ab 18:30 vielleicht an die 5-10 Mails über Nacht mit vllt. zwei aus dem lokalen Kollegenkreis, sind es heute gerne mal an die 30, die mich dann morgens erwarten. Etliche Leute scheinen abends nach 21:30 gerne noch mal „Mails zu machen“. Da habe ich normalerweise besseres zu tun!
5. Kommunikation funktioniert nicht mehr so pragmatisch. Das Mailaufkommen bei mir ist von ca. 60 am Tag auf über 100 angeschwollen. Man rennt nur noch hinterher, um von der Welle nicht ersoffen zu werden.—> Hochgradig ineffiziente Kommunikation mit um so größeren Verteilern ist normal geworden.
 

Difool

Frontend Admin
Registriert
18.03.2004
Beiträge
12.663
Das kann ich auch bestätigen. Dass Home Office als große Befreiung der Arbeitnehmer gefeiert wird, sehe ich mittlerweile als absolut falsch an. Am Anfang war das toll, aber ich habe meine Zweifel an dem System bekommen. Meine persönlichen Erfahrungen:

1. Es gibt keine Pausenzeiten mehr.
2. Einladungen zu Meetings werden wild über den Kalender eingeladen. Vorhandene Termine interessieren keinen mehr -> Disziplin ist völlig verloren gegangen.
3. Der Arbeitstag hat plötzlich kein Ende mehr. Termine auch bis 19 Uhr werden zur Regel, nicht zur Ausnahme. Früher war klar, ist man nicht mehr im Büro, ist halt Feierabend und die Chance dafür war spätestens nach 18 Uhr hoch.
4. Viele haben scheinbar keine Hobbies mehr. Hatte ich vorher ab 18:30 vielleicht an die 5-10 Mails über Nacht mit vllt. zwei aus dem lokalen Kollegenkreis, sind es heute gerne mal an die 30, die mich dann morgens erwarten. Etliche Leute scheinen abends nach 21:30 gerne noch mal „Mails zu machen“. Da habe ich normalerweise besseres zu tun!
5. Kommunikation funktioniert nicht mehr so pragmatisch. Das Mailaufkommen bei mir ist von ca. 60 am Tag auf über 100 angeschwollen. Man rennt nur noch hinterher, um von der Welle nicht ersoffen zu werden.—> Hochgradig ineffiziente Kommunikation mit um so größeren Verteilern ist normal geworden.
Och, als Freiberufler wird man auch gerne mal am Sonntag Abend angerufen.
Ein selbstständiges autarkes Arbeiten im oder als Team muss man erlernen, dass funktioniert halt nicht "einfach so".
Und viele sind "dafür auch nicht gemacht", weil eben Diziplin bei/mit Zeitfaktor zuhause seeehr viele Nischen der Ablenkung hat.
 

Dextera

Aktives Mitglied
Registriert
13.09.2008
Beiträge
16.418
Das Mailaufkommen bei mir ist von ca. 60 am Tag auf über 100 angeschwollen
Ohja. Wobei ich das auf nen bescheuerten Chef zurückführe :crack: Aber, vielleicht isses das HomeOffice bei ihm. Ich hab irgendwann aufgehört das zu lesen. Mein Posteingang steht derzeit bei 800 Mails, ich bekomm das nicht mehr aufgearbeitet :D

Ich hatte Wochen mit 16h+ Meetings. Da kommst zum arbeiten einfach nicht mehr. Bzw. wird eh erwartet, dass du deinen Job nebenher machst.

Auch hier gabs Termine immer später. Normal endet die Arbeitszeit bei uns um 16 Uhr. Irgendwann kamen dann auch Meetings um 18 Uhr. Oder Freitag Nachmittag, wo normal auch frei is. Das schleicht sich ein und wird dann die Norm.
 

magfoo

Aktives Mitglied
Registriert
20.10.2019
Beiträge
3.123
Also die hier beschriebenen Probleme haben nicht das homeoffice als Ursache. Das ist eher eine Frage der Firmen und Arbeitskultur.

Die Meetingdauer hat sich bei uns z.b. eher verkürzt. In Präsenz haben die sich immer ewig in die Länge gezogen.
Die fehlende Flurkommunikation sorgt für etwa mehr Struktur. Klar bedeutet das ein paar mehr Meetings. Dafür sind die Prozesse eindeutiger und klarer.
 

JarodRussell

Aktives Mitglied
Registriert
02.06.2003
Beiträge
3.638
Ohja. Wobei ich das auf nen bescheuerten Chef zurückführe :crack: Aber, vielleicht isses das HomeOffice bei ihm. Ich hab irgendwann aufgehört das zu lesen. Mein Posteingang steht derzeit bei 800 Mails, ich bekomm das nicht mehr aufgearbeitet :D

Ich hatte Wochen mit 16h+ Meetings. Da kommst zum arbeiten einfach nicht mehr. Bzw. wird eh erwartet, dass du deinen Job nebenher machst.

Auch hier gabs Termine immer später. Normal endet die Arbeitszeit bei uns um 16 Uhr. Irgendwann kamen dann auch Meetings um 18 Uhr. Oder Freitag Nachmittag, wo normal auch frei is. Das schleicht sich ein und wird dann die Norm.

Ja, so habe ich das auch erlebt. Bzw. ist es tatsächlich so, dass die eigentliche Arbeit, der man nachgeht, zur Nebensache geworden ist. In klassischen Großunternehmen des produzierenden Sektors merkt man einfach, dass durch die fehlende Präsenz um so weniger läuft und auch die Entscheidungsprozesse unglaublich zäh werden. Jetzt zeigt sich eben, wer Entscheidungen wirklich trifft und wie viele Manager und Führungskräfte dann doch erstmal Absicherungen von zehn Seite brauchen, um überhaupt eine Empfehlung auszusprechen. Mein Kalender ist mittlerweile mit Regelterminen (!) zu 85% gefüllt. Jede Woche. Weil alle Seiten mich und meine Mannschaft zu jeder noch so kleinen Entscheidung involvieren wollen. Sonst geht nichts voran und vor allem ist es allen wichtig, nachher nicht verantwortlich zu sein. Das nervt mich zunehmend und sehe ich als strukturelles Problem fast aller Großunternehmen, da können viele einfach untertauchen und sind froh darum. Andererseits merken wir eben auch, dass wir zur Kostensenkung auf 120% ausgelastet werden. Wir haben in kritischen Experten-Funktionen keinerlei Redundanzen mehr und der Weggang einzelner Personen kann hier tatsächlich zum Komplettausfall führen…aber es sind ja per se alle überbezahlt…
 

Dextera

Aktives Mitglied
Registriert
13.09.2008
Beiträge
16.418
Das sowas von der Firma (bzw. den Vorgesetzten) ausgeht und die Mitarbeiter da mitspielen müssen ist klar.

HomeOffice war dennoch ein Beschleuniger bzw. hat es überhaupt erst eingeführt.

„Man ist ja eh daheim“. In der Quarantäne fährt auch keiner auf Urlaub. Und gepaart mit dem Mörderprojekt haben dann viele bei uns nachgegeben. Und schon schleift es sich ein.

Diese Dinge jetzt wieder rausbringen ist eher mühsam. Da ist halt der Chef ein echtes Problem geworden. Mal schauen wann ich wieder genug Kraft habe, mich da beruflich zu verändern.
 

Difool

Frontend Admin
Registriert
18.03.2004
Beiträge
12.663
Das sowas von der Firma (bzw. den Vorgesetzten) ausgeht und die Mitarbeiter da mitspielen müssen ist klar.

HomeOffice war dennoch ein Beschleuniger bzw. hat es überhaupt erst eingeführt.

„Man ist ja eh daheim“. In der Quarantäne fährt auch keiner auf Urlaub. Und gepaart mit dem Mörderprojekt haben dann viele bei uns nachgegeben. Und schon schleift es sich ein.

Diese Dinge jetzt wieder rausbringen ist eher mühsam. Da ist halt der Chef ein echtes Problem geworden. Mal schauen wann ich wieder genug Kraft habe, mich da beruflich zu verändern.
Arbeitsvertrag?
Sollte da drin doch geregelt sein.
 

Dextera

Aktives Mitglied
Registriert
13.09.2008
Beiträge
16.418
Was soll darin geregelt sein? In wie weit man sich ausnutzen lässt aus Loyalität heraus getrieben oder was? :crack:
 

Difool

Frontend Admin
Registriert
18.03.2004
Beiträge
12.663
Was soll darin geregelt sein? In wie weit man sich ausnutzen lässt aus Loyalität heraus getrieben oder was? :crack:
Deine Arbeitszeit?
Steht sowas nicht in Arbeitsverträgen drin?
Wenn der Gesetzgeber nun "HomeOffice" setzt, dann müsste das wohl langsam auch mal vertragsmäßig bedacht werden –
zumindest was man hier so lesen kann.

Ich kenne es ja seit über 16 jahren nicht anders. I'm my own bitch. :crack:
 

magfoo

Aktives Mitglied
Registriert
20.10.2019
Beiträge
3.123
Problem ist, wenn man einen AT-Vertrag hat mit Überstunden dabei.
Selber schuld wenn man sowas unterschreibt...

Für alle anderen sollte das Wichtigste im Tarifvertrag geregelt sein.

Dazu hat bei uns z.b. der Personalrat eine Dienstvereinbarung durchgekämpft und alles notwendige geregelt und verhandelt gerade eine neue DV Arbeitszeit.
 

Dextera

Aktives Mitglied
Registriert
13.09.2008
Beiträge
16.418
Deine Arbeitszeit?
Ich weiß dass wir hier in einem deutschen Forum sind - aber die Welt funktioniert nicht überall nach Verträgen. ;)
Wenn Not am Mann ist und Projekte drohen zu kippen, dann isses hier so, dass du dann eben noch mehr reinkloppst - und nicht auf irgendwelche Verträge rumklopfst.
 

JarodRussell

Aktives Mitglied
Registriert
02.06.2003
Beiträge
3.638
Selber schuld wenn man sowas unterschreibt...

Für alle anderen sollte das Wichtigste im Tarifvertrag geregelt sein.

Dazu hat bei uns z.b. der Personalrat eine Dienstvereinbarung durchgekämpft und alles notwendige geregelt und verhandelt gerade eine neue DV Arbeitszeit.

Naja, was ich im Gegenzug dafür erhalte, wäre tariflich nie erreichbar, aber auch mit allen Sonderzahlunagen, Leistungszulagen und ähnlichen Schmankerln nicht. Aber das heißt trotzdem nicht, dass man jetzt auf einmal meinen müsste, jeder sei von 7-20 Uhr dauerhaft und ohne Pause verpflichtet. Es gibt auch noch so etwas wie das Arbeitszeitgesetz und das schert sich nicht um Verträge.
 

Keek

Aktives Mitglied
Registriert
01.07.2010
Beiträge
2.853
Läuft immer noch und ist in heftiger Benutzung.
[...] Ich werde keinen Preis dafür gewinnen, aber es hat halt funktioniert.

Ist doch super. Ich hätte erwartet, dass das alles aufgrund des Beamtentums komplizierter wird als du es dir ursprünglich vorgestellt hast; Es also keine Akzeptanz findet und Bedenken wegen Datenschutz/Sicherheit und sonstigem Pipapo aufkommen. Deswegen fragte ich auch. Umso mehr freut es mich zu sehen, dass es scheinbar auch anders geht und man bei seinem Engagement nicht direkt ausgebremst wird.
 

magfoo

Aktives Mitglied
Registriert
20.10.2019
Beiträge
3.123
Aber das heißt trotzdem nicht, dass man jetzt auf einmal meinen müsste, jeder sei von 7-20 Uhr dauerhaft und ohne Pause verpflichtet.
Das nicht. Es bedeutet aber, dass du dich selber darum kümmern musst, wenn du etwas anderes als das gesetzliche Minimum haben willst.
Bei uns gelten z.b. auch Dienstvereinbarungen für die Tarifbeschäftigten und Beamten.
Wäre jemand aussertariflich angestellt müsste er das für sich selber mit der GL klären.
 

Kujkoooo

Aktives Mitglied
Registriert
17.04.2006
Beiträge
1.103
Ich arbeite in einem Großkonzern und arbeite seit ca. Ende Januar 2020 fast durchgehend von zuhause aus.
Vor Corona hatte man uns bereits "Homeoffice" ermöglicht, es wurde jedoch von vielen Teamleitern in unserer Abteilung nicht gern gesehen und war irgendwie immer negativ behaftet. Es wurde jedoch auch nicht ganz offiziell kommuniziert, wieviel Stunden/Tage denn "ok" sind. Alles ein wenig verschleiert.
Da ich einer von wenigen war, der Homeoffice offen und gern genutzt hat und auch stück-für-stück immer weiter ausdehnte, wurde gern auch zwischen den Zeilen auf mir herum gehakt. Immer nett mit einem Lächeln verpackt natürlich, ist klar. ;)

Für mich ist es jedenfalls eine enorme Erleichterung, da ich mir rund 75-90min in eine Richtung erspare und monatlich im Schnitt ca. 170EUR Sprit vertankt habe (das sind also rund 350EUR brutto im Gehalt! Muss man erst mal verdienen!).


Ich persönlich arbeite von Zuhause aus effizienter, entspannter und vor allem danken es mir meine Nerven, denn in unserem Großraumbüro wurde teilweise wirklich sehr laut geredet und gelacht, da trugen die meisten quasi dauerhaft Kopfhörer, nur um normal arbeiten zu können.
Oder man hetzte von einem Bürogebäude ins Nächste, nur um von Termin zu Termin zu huschen. Das fällt nun alles weg.


Nun merke ich die Tendenz vieler Kollegen, die ständig jammern man hätte keinen Kontakt mehr zu seinen Kollegen - ich persönlich finde das garnicht so schlimm, da ich mich mit diesen Leuten ohnehin nicht großartig beschäftigt hätte, selbst wenn man Vor Ort wäre.
Ich verstehe Leute denen das Kaffeeküchengeplauder fehlt, denen daheim wegen der Frau und/oder Kinder die Decke auf den Kopf fällt. Die früher gern bis 19h in der Firma geblieben sind, nur weil sie nicht nach hause wollten.
Aber: mir stößt es mir immer wieder böse auf, wenn man dann alle Kollegen um sich haben möchte und seine Politik schiebt. Leben und leben lassen.

Ich bin jederzeit über Skype erreichbar und plaudere gern mit den Kollegen, aber ich brauche dafür keinen Zwang, nur um es manch anderen recht zu machen, die ihre Karriereleiter auf Kaffeetrinken und Netzwerken ausgelegt haben. Nicht mit mir, und nicht über meinen Rücken.


Ein kleiner Traum wäre ja eine 100% Homeofficezusicherung per Vertrag zu bekommen, dann würde definitiv die Überlegung kommen, vielleicht doch auch aus dem Ausland zu arbeiten.
Oder theoretisch in den Osten Deutschlands zu ziehen, wo man dort eine Stadtvilla für das Geld einer Garage hier in BaWü bekommt.
Aber ja, träumen darf man ja wohl noch... :)


P.S. ich denke man muss zuhause strikt AN- und ABSCHALTEN. Das heißt ich habe meine morgendlichen und abendlichen Rituale und "stemple" aus. Und aus ist aus.
Ebenso mache ich mich morgens genauso zurecht, als ob ich in die Arbeit fahren würde. Das hilft mir klar zu differenzieren, wann Freizeit ist und wann nicht.
 

Dextera

Aktives Mitglied
Registriert
13.09.2008
Beiträge
16.418
Ich verstehe Leute denen das Kaffeeküchengeplauder fehlt
In unserer Firma haben wir 3-Mann Büros. Thematisch sortiert. Wenn sich also meine beiden Kollegen unterhalten, dann hat mich das eh auch zu 80% betroffen. Oder wenn ich eine Frage habe die ne Minute dauert, dann hab ich mich umgedreht und dem Kollegen flux gebeten mal ein Auge auf den Bildschirm zu werfen.

Jetzt ist das alles enorm erschwert worden. Wir sitzen alle dauernd in Telkos, telefonisch erreichbar sind die Wenigsten noch. Alles muss man schriftlich erledigen - und je nach Terminen wird auch das ewig nicht gelesen.

Alles, was früher ne Minuten-Geschichte war, dehnt sich jetzt in den Stundenbereich aus. Wenn du mal bei nem Produktivproblem 1-2 Augen mehr gebrauchen könntest, verreckst du mittlerweile ziemlich allein mit deinen Problemen.

Wir sind ja nicht umsonst in Teams aufgeteilt. Die Pandemie hat mir gezeigt, dass ich an einem Einzelkämpfer-Modus kein Interesse habe. Ich arbeite gern im Team mit den richtigen Leuten. Aber der HomeOffice-Overhead bei uns ist echt gewaltig. Alles, was ne Email hätte werden können, wird mittlerweile ein Meeting.
 

hakara

Mitglied
Registriert
25.03.2019
Beiträge
197
Ich arbeite in einem Großkonzern und arbeite seit ca. Ende Januar 2020 fast durchgehend von zuhause aus.
Vor Corona hatte man uns bereits "Homeoffice" ermöglicht, es wurde jedoch von vielen Teamleitern in unserer Abteilung nicht gern gesehen und war irgendwie immer negativ behaftet. Es wurde jedoch auch nicht ganz offiziell kommuniziert, wieviel Stunden/Tage denn "ok" sind. Alles ein wenig verschleiert.
Da ich einer von wenigen war, der Homeoffice offen und gern genutzt hat und auch stück-für-stück immer weiter ausdehnte, wurde gern auch zwischen den Zeilen auf mir herum gehakt. Immer nett mit einem Lächeln verpackt natürlich, ist klar. ;)

Für mich ist es jedenfalls eine enorme Erleichterung, da ich mir rund 75-90min in eine Richtung erspare und monatlich im Schnitt ca. 170EUR Sprit vertankt habe (das sind also rund 350EUR brutto im Gehalt! Muss man erst mal verdienen!).


Ich persönlich arbeite von Zuhause aus effizienter, entspannter und vor allem danken es mir meine Nerven, denn in unserem Großraumbüro wurde teilweise wirklich sehr laut geredet und gelacht, da trugen die meisten quasi dauerhaft Kopfhörer, nur um normal arbeiten zu können.
Oder man hetzte von einem Bürogebäude ins Nächste, nur um von Termin zu Termin zu huschen. Das fällt nun alles weg.


Nun merke ich die Tendenz vieler Kollegen, die ständig jammern man hätte keinen Kontakt mehr zu seinen Kollegen - ich persönlich finde das garnicht so schlimm, da ich mich mit diesen Leuten ohnehin nicht großartig beschäftigt hätte, selbst wenn man Vor Ort wäre.
Ich verstehe Leute denen das Kaffeeküchengeplauder fehlt, denen daheim wegen der Frau und/oder Kinder die Decke auf den Kopf fällt. Die früher gern bis 19h in der Firma geblieben sind, nur weil sie nicht nach hause wollten.
Aber: mir stößt es mir immer wieder böse auf, wenn man dann alle Kollegen um sich haben möchte und seine Politik schiebt. Leben und leben lassen.

Ich bin jederzeit über Skype erreichbar und plaudere gern mit den Kollegen, aber ich brauche dafür keinen Zwang, nur um es manch anderen recht zu machen, die ihre Karriereleiter auf Kaffeetrinken und Netzwerken ausgelegt haben. Nicht mit mir, und nicht über meinen Rücken.


Ein kleiner Traum wäre ja eine 100% Homeofficezusicherung per Vertrag zu bekommen, dann würde definitiv die Überlegung kommen, vielleicht doch auch aus dem Ausland zu arbeiten.
Oder theoretisch in den Osten Deutschlands zu ziehen, wo man dort eine Stadtvilla für das Geld einer Garage hier in BaWü bekommt.
Aber ja, träumen darf man ja wohl noch... :)


P.S. ich denke man muss zuhause strikt AN- und ABSCHALTEN. Das heißt ich habe meine morgendlichen und abendlichen Rituale und "stemple" aus. Und aus ist aus.
Ebenso mache ich mich morgens genauso zurecht, als ob ich in die Arbeit fahren würde. Das hilft mir klar zu differenzieren, wann Freizeit ist und wann nicht.

EXAKT (!) der gleiche Fall bei mir, nur dass wir seit Mai letzten Jahres die Anordnung hatten, dass alle arbeiten, soweit möglich, vom HO aus zu verrichten sind. Da brauchste mir als Vertriebs-Außendienstler nicht zwei mal sagen, dass ich von vormals 20% HO auf 100% gehe und nur zu Ausnahmen in die Firma komme.

Durfte mir dann ebenfalls dumme Kommentare anhören, ich hätte mich ins Home-Office verbuddelt, man wisse gar nicht wo ich bin (schaut halt in meinen Kalender), man wisse nicht was ich so treibe (schaut halt in meinen Kalender und mein Auftragseingangsbuch), usw usf.
Nachdem diese Kommentare dann verstärkt von Vorgesetzten und zuletzt in einem Vier-Augen-Gespräch mit dem GF kamen (sah mich außerhalb eines Meetings, ich hatte einen wichtigen, seit Monaten feststehenden Termin, und das Meeting wurde von einem anderen Tag einfach auf diesen bereits verplanten Tag verschoben) wusste ich: Time to say goodbye.

Die deutsche Arbeitskultur entwickelt sich in eine grundlegend falsche Richtung.
 

Kujkoooo

Aktives Mitglied
Registriert
17.04.2006
Beiträge
1.103
EXAKT (!) der gleiche Fall bei mir, nur dass wir seit Mai letzten Jahres die Anordnung hatten, dass alle arbeiten, soweit möglich, vom HO aus zu verrichten sind. Da brauchste mir als Vertriebs-Außendienstler nicht zwei mal sagen, dass ich von vormals 20% HO auf 100% gehe und nur zu Ausnahmen in die Firma komme.

Durfte mir dann ebenfalls dumme Kommentare anhören, ich hätte mich ins Home-Office verbuddelt, man wisse gar nicht wo ich bin (schaut halt in meinen Kalender), man wisse nicht was ich so treibe (schaut halt in meinen Kalender und mein Auftragseingangsbuch), usw usf.
Nachdem diese Kommentare dann verstärkt von Vorgesetzten und zuletzt in einem Vier-Augen-Gespräch mit dem GF kamen (sah mich außerhalb eines Meetings, ich hatte einen wichtigen, seit Monaten feststehenden Termin, und das Meeting wurde von einem anderen Tag einfach auf diesen bereits verplanten Tag verschoben) wusste ich: Time to say goodbye.

Die deutsche Arbeitskultur entwickelt sich in eine grundlegend falsche Richtung.
Meine Kalender sind ebenfalls gepflegt, zudem haben wir in unserer Montags-Teamrunde noch eine Art digitales Whiteboard mit "Highlights" der Woche. An Informationen hat es nie gemangelt. Eine Zeit lang habe ich sogar meine Homeofficezeiten (Halbtag/Volltag) in meinem Kalender eingetragen, aber im Gang gab halt weiterhin die Sprüche.
Ich hatte sogar meine monatlichen Homeofficezeiten protokolliert und buchgeführt, war vor Corona bei ca. 40-60% HO, und war auch bereit im Notfall damit zum Betriebsrat zu gehen, obwohl ich echt nicht so jemand bin.
Ebenfalls habe ich testweise die von der Firma verteilten Flyer mit Praxisbeispiele zum Homeoffice 1:1 angewendet und kassierte von den Teamleitern Sprüche, jedoch niemals von deren Chef, denn unser Abteilungsleiter machte genauso oft HO wie ich.

Das ist halt ein grundsätzliches Problem, wenn in Großkonzernen jede Führungskraft meint, er wäre der von Gott gesandte. Das ist aber ein Thema was hausgemacht ist und man ja genau solche "Ellenbogenmenschen" zur Führungskraft hin förderte.
 
Oben