Piratenpartei und Urheberrecht?

fotojagt

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Hallo Leute,

ich bin irgendwie noch nicht so ganz Aufgeklärt, was haltet die Piratenpartei vom Urheberrecht?

Wollen die es nun Komplett weg haben?
oder
Wollen die Rechte nur anpassen und ggf. auch Verkürzen?

Weil ich lese immer was anderes über diese Lage...

LG
Philipp
 

Grettir

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Nach ihren eigenen Aussagen wollen sie das Urheberrecht nicht abschaffen, sondern die Position der Urheber stärken. Das sieht so aus, dass den Urhebern zugesichert wird, dass ihr Name selbstverständlich genannt wird. Außerdem betonen die Piraten immer wieder, dass eine angemessene Entlohnung der Urheber selbstverständlich sein muss. Allerdings legen die Piraten fest, was angemessen ist, und sie haben keine praktikable Idee, wie die Urheber an ihr Geld kommen sollen, weil sie dafür sind, dass die Konsumenten ihre Musik und Filme usw. gratis bekommen müssen. Um zu bemänteln, dass es letzten Endes auf die Enteignung der Urheber hinausläuft (radikaler, als sie sich der radikalste Stalinismus je hätte erdenken können), werden Hirngespinste wie eine Kulturflatrate in die Welt gesetzt, bei denen jedem, der fünf Minuten darüber nachdenkt, sofort klar wird, dass sie praktisch nicht realisierbar sind. Daraus ergibt sich übrigens, dass man sich um die Frage nicht allzu viel Gedanken machen muss. Der Tanz wird nicht so lange dauern.
 

iPhill

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[...]Hirngespinste wie eine Kulturflatrate in die Welt gesetzt, bei denen jedem, der fünf Minuten darüber nachdenkt, sofort klar wird, dass sie praktisch nicht realisierbar sind[...]
Warum sollte das nicht realisierbar sein?! Schliesslich zahlen wir auch Steuern; und da hat noch nie jemand gesagt "Aber die sind doch gar nicht realisierbar!!". Ich bin der Ansicht, wenn man die "Kultursteuer" einführen würde, dann liesse sich das ganz einfach machen. ;)
 

Grettir

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Die Bezahlung wäre sehr einfach. Ob sie akzeptiert würde, ist eine andere Frage, die überaus zahlreichen Diskussionen darüber, wie man die Zahlung an die GEZ vermeiden kann, sprechen da eine andere Sprache. Ungeklärt ist, wie die Verteilung stattfinden soll. Und da wird schnell klar, dass dazu eine Monsterbehörde und eine flächendeckende Überwachung der Konsumenten nötig wäre, die weder wünschenswert noch realisierbar sind. Wie gesagt: Kurz drüber nachdenken reicht schon.
 

crab

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Warum sollte das nicht realisierbar sein?! Schliesslich zahlen wir auch Steuern; und da hat noch nie jemand gesagt "Aber die sind doch gar nicht realisierbar!!". Ich bin der Ansicht, wenn man die "Kultursteuer" einführen würde, dann liesse sich das ganz einfach machen. ;)
Stell dir doch einfach mal vor, in deinem Beruf würdest du nicht nach Leistung oder nach einem Vertrag mit deinem AG bezahlt - oder nach deinen Preisvorstellungen, wenn du selbstständig bist -, sondern aus einem Flatrategeldtopf. Daraus schöpfen auch noch alle anderen, welche in deiner Branche tätig sind.

Mehr muss man eigentlich gar nicht überlegen um bereits hier zum Schluss zu kommen, wie unsinnig eine Kulturflatrate wäre.
 

Blinddarm

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Warum sollte das nicht realisierbar sein?! Schliesslich zahlen wir auch Steuern; und da hat noch nie jemand gesagt "Aber die sind doch gar nicht realisierbar!!". Ich bin der Ansicht, wenn man die "Kultursteuer" einführen würde, dann liesse sich das ganz einfach machen. ;)
Haben wir die nicht bereits? Was glaubst du denn, wie Kultur finanziert wird?

Der Begriff "Kultursteuer" nervt so langsam. Der Großteil dessen, was übers Netz kopiert wird, ist keine Kultur, sondern Massenkonsumware.
 

Lor-Olli

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Fakt ist, dass das Urheberrecht wie es derzeit praktisch ausgestaltet ist, nicht bzw. schlecht funktioniert. Als Künstler darf man sich mit fer GEMA herumschlagen, alternativ mit einem Verlag - hat das einer von Euch mal durchgezogen?

Das Prinzip der Entlohnung durch die Urheberrechtsabgabe ist eigentlich sinnvoll, wird aber durch die Übertragungswege der modernen Kommunikation torpediert, bzw. lässt sich torpedieren. Das eigentliche Problem scheinen allein die Piraten zu erkennen, moderne Verbreitungsformen brauchen eine moderne Regelung der Abgaben. Bei den Mengen die täglich verschoben werden ist die bisherige Praxis sehr, sehr lückenhaft und dient in erster Linie den Konzernen die sich durchsetzen können (aber auch nicht immer). Die Politik ist das Problem, Mutti und Co. schieben trotz der Erkenntnis, dass das Recht hinter der Praxis hinterherhinkt, das Problem lieber weiter vor sich her. Andere europäische und außereuropäische Länder sind da weiter und die Kunstszene existiert dort trotzdem, teilweise sogar erfolgreicher als hierzulande (GB, USA).

Eine Kulturflatrate ist ein Schrotschuss, bei den Abgaben zum Fernseh und Rundfunkempfang ist man diesen Weg trotzdem schon gegangen (Radiogebühren = Kulturflatrate, denn es wird zum überwiegenden Teil für Musikberieselung genutzt). Eine Kulturflatrate macht Sinn, eine praktische Ausgestaltung muss diskutiert und überlegt sein, damit sie dem Ziel einer gerechten Verteilung nahe kommt. Derzeit verdienen hauptsächlich "die Großen"…
 

Grettir

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Fakt ist, dass das Urheberrecht wie es derzeit praktisch ausgestaltet ist, nicht bzw. schlecht funktioniert. Als Künstler darf man sich mit fer GEMA herumschlagen, alternativ mit einem Verlag - hat das einer von Euch mal durchgezogen?
Ja. Ich finde es nicht schlecht, dass die GEMA sich um das Eintreiben der Kleinstsummen kümmert, das könnte ich allein nämlich gar nicht. Und da ich weder Druckereien, noch Buchbinder und schon gar keine Beziehungen zu den entsprechenden Verlaufsstellen habe, finde ich, dass Verlage auch eine sehr praktische Einrichtung sind. Das Urheberrecht, wie es momentan ist, mag nicht ideal sein (was ist schon ideal?), aber dass es »nicht bzw. schlecht« funktioniert, kann nicht behaupten, wer etwas davon versteht.
 

Niks

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Das Urheberrecht, wie es momentan ist, mag nicht ideal sein (was ist schon ideal?), aber dass es »nicht bzw. schlecht« funktioniert, kann nicht behaupten, wer etwas davon versteht.
Wenn man seine eigene CD mit eigenen Lieder pressen möchte, dann muss man Geld an die GEMA zahlen. Auch, wenn die CDs gratis verteilt werden sollen. In meinen Augen ist das System ... ich schreibe es lieber nicht. Neues Beispiel: Die Kosten für USB Sticks und SD Karten werden erhöht um ca 2 Euro, weil man möglicherweise Kopien von Filmen/Musik/Bildern darauf speichern könnte (Link).
 

SenZoe

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Ja. Ich finde es nicht schlecht, dass die GEMA sich um das Eintreiben der Kleinstsummen kümmert, das könnte ich allein nämlich gar nicht. Und da ich weder Druckereien, noch Buchbinder und schon gar keine Beziehungen zu den entsprechenden Verlaufsstellen habe, finde ich, dass Verlage auch eine sehr praktische Einrichtung sind. Das Urheberrecht, wie es momentan ist, mag nicht ideal sein (was ist schon ideal?), aber dass es »nicht bzw. schlecht« funktioniert, kann nicht behaupten, wer etwas davon versteht.
Ausnahmslos alle Musiker in meinem Freundeskreis schimpfen auf die GEMA. Großteils aufgrund der Tatsache, dass sie nie auch nur einen Cent von dem Verein erhalten haben. Und ja, die hatten Airplay, teilweise über 10 Jahre. Aber wenn man nunmal weder Justin Biber, noch Lady GaGa heisst, siehts meist eher mau aus, mit dem Eintreiben von Kleinstsummen.

Wie lange Verlage in ihrer derzeitigen Form noch existieren, sei dahingestellt, aber der Weg, den Amazon in den USA eingeschlagen hat, zeigt deutlich, dass es durchaus auch ohne zu funktionieren scheint. Für E-Books brauch man nunmal keine Druckerei und selbst die Bücher, die noch gedruckt werden, können preiswert und schnell on demand gedruckt werden. Mmn werden sich Verlage in naher Zukunft auf das Verlegen von Premium-Produkten für Bibliophile konzentrieren. Für Massenware dürften sie bald überflüssig sein.


Edit: Letztes war bei Spiegel-Online ein interessanter Beitrag zum Thema zu lesen. Der Grundtenor war in etwa, "Das WWW besteht nunmal aus nix weiter als Kopiervorgängen, wer also das Kopieren unterbinden, einschränken will, kann das nur durch Überwachung/Reglementierung des WWW tun". Ergo: Freiheit im Internet vs. Kontrolle durch Staat/Verwertungsgesellschaften. Ich wähle dann eher die Freiheit und entscheide mich für eine pauschale Abgabe.
 

spoege

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Schon mal auf der Seite der Piratenpartei nachgelesen?
http://www.piratenpartei.de/politik/wissensgesellschaft/urheberrecht/
Da steht doch alles drin, wo ist das Problem?
Die Seite ist uralt. Inzwischen hat sich in der öffentlichen Debatte so viel getan, dass die Piraten von ihren alten radikalen Positionen wieder zurückrudern. Sie haben gemerkt, dass es total stressig ist, die zu vertreten, wenn man so wenig Durchblick hat.

Nun ist wieder alles offen, der Bundesvorstand will zunächst mal einen Dialog mit den Beteiligten führen – also Grundlagenarbeit machen.
 

crab

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Die Seite ist uralt. Inzwischen hat sich in der öffentlichen Debatte so viel getan, dass die Piraten von ihren alten radikalen Positionen wieder zurückrudern. Sie haben gemerkt, dass es total stressig ist, die zu vertreten, wenn man so wenig Durchblick hat.

Nun ist wieder alles offen, der Bundesvorstand will zunächst mal einen Dialog mit den Beteiligten führen – also Grundlagenarbeit machen.
Nichts ist so alt wie eine Webseite der Piraten. :hehehe:
 

Grettir

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Wenn man seine eigene CD mit eigenen Lieder pressen möchte, dann muss man Geld an die GEMA zahlen.
Wenn man Mitglied der GEMA ist, hat man einen Vertrag unterschrieben, an den man sich halten muss. Das hat mit dem Urheberrecht nichts zu tun. Wenn Du nicht Mitglied der GEMA bist und kein Material verwendest, das irgendwie für die GEMA von Interesse ist, kannst Du machen was Du willst. Also Augen auf bei der Vertragsunterzeichnung, und alles ist gut.
 

fotojagt

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Die Seite ist uralt. Inzwischen hat sich in der öffentlichen Debatte so viel getan, dass die Piraten von ihren alten radikalen Positionen wieder zurückrudern. Sie haben gemerkt, dass es total stressig ist, die zu vertreten, wenn man so wenig Durchblick hat.

Nun ist wieder alles offen, der Bundesvorstand will zunächst mal einen Dialog mit den Beteiligten führen – also Grundlagenarbeit machen.

Also ist es nicht mehr Aktuell? Weil deshalb frage ich ja, weil überall was anderes Steht..
Mal steht es, dass die keinen Urheberrecht mehr wollen, woanders steht wieder, dass das Geistige Eigentum von 70 Jahren auf 10 Jahren verkürz werden sollen und dann steht mal wieder, dass alles anders werden soll...

Daher frage ich ja, aber ich denke dass weiss auch keiner so genau, ich werde mal den Piraten direkt anschreiben.
Wenn ich was habe, schreibe ich es hier rein ;)
 

LH418

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Wenn Du nicht Mitglied der GEMA bist und kein Material verwendest, das irgendwie für die GEMA von Interesse ist, kannst Du machen was Du willst.
Aber auch nur, wenn du der GEMA vorher mitgeteilt hat, dass auf der CD nur Gema-freie Musik drauf ist und du das anstandslos und lückenlos unter Angabe von Künstler- und! Realname sowie Geburtsdatum aller beteiligten Urheber schaffst. Klasse diese GEMA-Vermutung, oder? (http://www.kraftfuttermischwerk.de/blogg/?p=30917)
 

Grettir

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Das vermutet sie im Interesse der Künstler, die sie vertritt. Was ist daran so schrecklich schlecht? Die Mitglieder, die von der GEMA ihr Geld beziehen, sind damit recht zufrieden.

Übrigens fülle ich monatlich eine GEMA-Meldung für diverse Versnstaltungen aus, darunter auch Null-Meldungen, wenn nichts GEMA-Relevantes dabei war. Das ist nicht annähernd so kompliziert, wie Du hier unterstellst. Der Aufwand, der mit den Meldungen für die Kulturflatrate (die dann jeder Bürger abgeben müsste) verbunden wäre, wäre jedenfalls erheblich höher.
 
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gauloisesbert

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Das vermutet sie im Interesse der Künstler, die sie vertritt. Was ist daran so schrecklich schlecht?

Wieso soll ich in Vorleistung gehen?

Wenn die GEMA was will, soll sie mir nachweisen, dass bei mir GEMA-pflichtige Musik gespielt wurde!

Das ist die Crux!
 

spoege

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Wenn die GEMA was will, soll sie mir nachweisen, dass ich GEMA-pflichtige Musik gespielt habe!
Du möchtest, dass die Gema dich beobachten lässt oder mit anderen Methoden ermittelt, was du veranstaltest, und dir das dann nachweist?
 

gauloisesbert

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Du möchtest, dass die Gema dich beobachten lässt oder mit anderen Methoden ermittelt, was du veranstaltest, und dir das dann nachweist?
Es steht der GEMA frei, Eintritt zu zahlen und sich das Konzert von den "Versauten Flachmännern" anzusehen!

Wieso nicht?
 
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