Storytellers...

Dieses Thema im Forum "MacUser Bar" wurde erstellt von Difool, 09.05.2004.

  1. Difool

    Difool Thread Starter Frontend Admin

    Mitglied seit:
    18.03.2004
    Beiträge:
    8.411
    Medien:
    32
    Zustimmungen:
    1.579
    Hallo Forum,

    da ja so einige Leute von euch gerne schreiben,
    dachte ich mir, daß wir evtl. eine "Onlinestory" anlegen könnten.
    Ohne Regeln - nur Leitfaden und erste Person sollten eingewoben werden -
    ...und annähernd übersichtliche Beiträge (nicht gerade 999 Wörter...);
    das ganze natürlich schön abwechselnd...und los geht's:



    Kapitel 1


    Sonntag.
    Etwas Nieselregen hatte mir mein morgendliches Dösen während
    des Brötchenholens ein wenig unterstrichen. Tiefer als sonst hingen mir
    meine Gedanken im Schädel, und der Song "Silence Is Easy" von Starsailor
    grub mir durchaus Nachdenkliches in die Denkmasse. Die neuen Kopfhörer
    schrubbelten noch so neu mit ihrem Schaumstoff, daß ich meinen könnte,
    jemand spiele beidseitig "Ohrwurm" mit mir, was ich in Kindertagen schon
    als unschön bis unerträglich empfunden hatte.
    Die Straßenmitte war mein Weg und der Weg war Frühstück.

    Gedanklich wippte ich zu den Staccatorythmen des Liedes und bemerkte,
    als ich ein bißchen gegen das nieselnden Himmelstreu äugte,...
     
  2. RGB

    RGB MacUser Mitglied

    Mitglied seit:
    08.01.2004
    Beiträge:
    705
    Zustimmungen:
    1
    ...dass mir von diesem Tag nicht mehr viel übrig bleiben würde. Es wurde schon
    wieder duster. Zu viele dieser Tage hatte ich in letzter Zeit erlebt. Zu viele
    Stunden die, wie ein schlechter Streifen in einem verrauchten Bahnhofskino,
    an mir vorüberzogen. Nur kurz unterbrochen durch die ´Nr. 4´, einen ´Grilled
    Chicken Ceasars Salad´ mit einer Portion Pommes - irgendwann heute nachmittag
    glaube ich. Eigentlich braucht man zu einem Salat ein Stück Weissbrot. Heute gabs
    Pommes. Ohne Ketchup.
    Meinen iPod hatte inzwischen die Kraft verlassen. Der Rhythmus kam nun mit jedem
    Schritt von meinen Gummisohlen auf dem nassen Asphalt - getragen von dem Klang
    der Regentropfen, die mir der Wind noch immer von hinten auf das feuchte Leder
    meiner Jacke blies. Der Weg nach Hause war Routine.
    Überraschend, wie schnell die Zeit vergeht. Die letzte Woche war wie dieser Tag.
    Und wie die davor. Genau so wie der letzte Monat - und der davor. Erstaunlich wie
    einfach es ist, über nichts nachzudenken.
    Einmal kurz ziehen während man den Schlüssel dreht - anders geht die Tür nicht auf.
    Erst jetzt fühlte ich wie nass ich war....
     
  3. Difool

    Difool Thread Starter Frontend Admin

    Mitglied seit:
    18.03.2004
    Beiträge:
    8.411
    Medien:
    32
    Zustimmungen:
    1.579
    ...das unvorteilhafte Gefühl beschlich mich in diesem Moment, daß es nicht
    gut sein kann. Es kann nicht gut sein 20min durch den Regen zu laufen, mit
    seinem iPod in der Hand...ungeschützt.
    Wenigstens zickte meine Haustür nicht und gab mir Gewähr.

    Die tropfende Festplatte im Designermantel legte ich behutsam ins Regal,
    zog die Nassen Klamotten aus und überlegte mir, was an diesem Tag zu
    tun sein könnte.
    Dem Ton nach zu urteilen sollte mir das Telefon eine Entscheidung bringen.
    Nach dem 4. Klingeln nahm ich den Hörer ab. "Hallo" räusperte ich mehr als
    Begrüßung und fühlte, wie Wasser auf dem Telefon Körpertemperatur annahm.

    Eine Frau war am anderen Ende der Leitung und mittendrin ein nicht gerade
    reduziertes Rauschen, was meine Möglichkeit die Stimme zu erkennen, stark,
    wenn nicht sogar unheimlich stark, verhinderte.
    Schemenhaft schmolz mir ihr Timbre einen Namen in meine Muschel.
    Pam. :D
    "Pam wer?"
    Schlagartig brachen mir einige Synapsen, wie warme, gekochte,
    aufbrechende Kartoffeln, einen Sinn in diesen Namen.
    Es handelte sich hier nicht minder um...
     
  4. …meine Exfreundin Pamela. Dieser Tag sollte ein bedeutendes Ereignis in meinem Leben darstellen. Im Hintergrund hörte ich die fragilen, hochfrequenten Musikfragmente des aus den Kopfhörer des immer noch laufenden iPods, die sich seltsam harmonisch mit dem Rauschen aus dem Telefonhörer und der bekannten Stimme mischten.
    „Ich wollte mich mal wieder bei dir melden“, sagte sie mit warmer Stimme. Ich fühlte mich unwohl. Regennaß stand ich da, den Hörer in der Hand, sprachlos.
    „Du?!“, entgegnete ich verunsichert. Fragmente von „My Own Prison“ drangen an meine Ohren und erinnerten mich an den Tag, als ich meinen iPod gegen meine Freundin tauschte. Ein Frustkauf. Welch trostloses Dejavú. Es war damals ein genauso verregneter Tag wie heute morgen, nur das ich Ihren Anruf bekam, bevor ich das Haus verließ und nicht umgekehrt, so wie heute.
    Was hatte das alles zu bedeuten?
    „Bist du noch da?“, drang es in meine Ohren und riß mich aus den Erinnerung.
    „Ja… Ja, das bin ich.…“ entgegnete ich, als mir ein Regentropfen die Wange herunterlief.
    War es Regen? Oder war es das einsame Gefühl das sich wieder breitmachte, als ich ihr Gesicht zu ihrer sanften Stimme asoziierte?
     
  5. RGB

    RGB MacUser Mitglied

    Mitglied seit:
    08.01.2004
    Beiträge:
    705
    Zustimmungen:
    1
    Meine Hände waren immer noch nass - und trotzdem konnte
    ich fühlen wie die Aufregung sie langsam feucht werden liess. Die
    Anspannung legte sich um meine Brust wie ein mächtiges Seil und
    zog sich mit jedem Atemzug enger.
    So oft hatte ich mir diese Situation in meinen Gedanken ausgemalt.
    Unzählige Male spielte ich diesen Moment vor meinem inneren Auge
    durch: Meine Beine lässig übereinander geschlagen lenkte ich das
    Gespräch wie der stolze Kapitän einer dieser Luxuskreuzer. Die goldenen
    Abzeichen auf meiner weissen Uniform machten mich unwiderstehlich und
    mit jedem Wort das meine Lippen verliess provozierte ich dieses verschmitzte
    Lächeln in ihrem Gesicht. Nein, ich konnte es nicht sehen - aber eines war
    sicher: Am anderen Ende der Leitung zerfloss jemand zu süssem Honig.

    Jetzt war alles anders. Meine nassen Sachen vor mir auf dem Boden liegend,
    stand ich da. Mein Herz pumpte. Nervös suchten meine Augen nach einem
    sicheren Ankerplatz. Worte, die formuliert werden wollten erstickten schon
    im Ansatz. Ich begann zu spüren, was ich längst überwunden glaubte:
    Ein bohrender Schmerz kroch in mir hoch.
     
  6. ..und auch wenn sie so flach wie ein ipod war, hing ich noch immer an ihr. draussen regnete es inzwischen bimssteine oder irgendwas anderes massives, und ich war froh wieder zuhause zu sein mit meiner exfreundin am telefon.
    "weisst du", sagte ich, "das grenzt an telepathie. mein ipod spielte gerade unser lied, wie hiess es noch gleich und da wollte ich mich gerade ans telefon setzen und dich anrufen. so einen verdammten ipod musst du nämlich auch haben. pam, den kannst sogar du bedienen."
    "ulf (!), ich wollte eigentlich was anderes mit dir besprechen....."
    "wie? jetzt nicht über ipods? du konsternierst mich immer wieder"
    "ulf....ich habe dir was dringendes zu sagen. bitte hör mir einmal zu, nur dieses eine mal, bitte!"
    unmittelbar vor der haustür war die quelle eines dumfen grollens, offenbar rollten inzwischen ganze findlinge die strasse entlang. ich machte mir sorgen wegen der terrakotta-ipods im vorgarten.
    "pam, ich weiss was du jetzt sagen willst. es stimmt ich war sauer, als du den aldi-pc gekauft hast. aber das war nicht alles......"
    "ulf, hör zu. damals, als wir uns das letzte mal gesehen haben..."
    "du meinst in wiesbaden, bei der pokermeisterschaft?"
    "genau. du hattest den drilling und bist mitgegangen. der trottel aus belgien ging auf flush, noch drei karten waren zu vergeben...."
    "ja, ich erinnere mich. die sau wollte unbedingt, dass ich den ipod setze"
    "genau. dieser trottel aus belgien hat sich jetzt nen mac gekauft und ich bin mit ihm zusammen. wir wollen zusammen einen online- kniescheibenversand aufmachen...."
    wie betäubt blickte ich nach draussen
     
  7. RGB

    RGB MacUser Mitglied

    Mitglied seit:
    08.01.2004
    Beiträge:
    705
    Zustimmungen:
    1
    Mein starrer Blick fing sich im Regen, der unerlässlich an die
    Fenster trommelte. Ein paarmal hatte ich es nun schon erlebt,
    dass sich Telefongespräche kreuzten - aber so unpassend wie
    in diesem Moment war es wohl noch nie. Dieses Duett der
    Belanglosigkeiten holte mich wieder zurück in die Gegenwart -
    und verschlang meine Pam ohne jegliche Vorwarnung.

    Noch minutenlang stand ich da und lauschte. Aber die Leitung
    war wieder tot. Die weiche Stimme, die diesem frostigen Moment
    kurzzeitig Wärme schenkte hinterliess ein beklemmendes Vakuum.
    Abwesend sank ich in die kalten Polster meines alten Ledersofas.
     
  8. berichta

    berichta MacUser Mitglied

    Mitglied seit:
    10.12.2003
    Beiträge:
    77
    Zustimmungen:
    0
    "hat sich jetzt nen mac gekauft"... na toll, na und?
    wahrscheinlich ist er einer dieser typen, angespornt von einem macuser(.de), die das gute teil nur benutzen um zu imponieren..
    ich gönne mir einen schluck von dem guten whiskey der noch in der ecke standt, und beginne über unsere damalige beziehung nachzudenken. ein crescendo meiner gefühle lässt mich aber nicht mehr herr meiner sinne werden. was, wenn das ganze einen zweck erfüllt, ist das ziel dieser ganzen angelegenheit?
    ich nippe nochmal am glas und warte das sich mein ipod wieder auflädt...
     
  9. Difool

    Difool Thread Starter Frontend Admin

    Mitglied seit:
    18.03.2004
    Beiträge:
    8.411
    Medien:
    32
    Zustimmungen:
    1.579
    ...der Schluck Whiskey brannte meine Kehle mit Wärme aus, frische Lava
    im Darmkanal, dachte ich und schenkte mir nach.
    Pam hat einen Neuen.
    Nun, alles ist so absehbar, wohl dennoch Teil der Zukunft.
    Ich begann, darüber nachzudenken, ob ich das Gefühl abstellen könnte,
    welches mir mit Inbrunst das Herz so schwer machte. Schwer machte, wie ein
    massiver Tropenholztisch, alleine vom 4. Stock auf die Straße getragen.
    Weswegen rief mich Pam an? – ...um zu sagen, daß sie einen Neuen hat?
    Wohl kaum. Wohl doch?

    "Als Gott die Zeit erschuf, machte er genug davon..."
    Also nahm ich mir welche und hing meinen Gedanken nach.
    Der alte Sekundenzeiger meiner Küchenuhr verriet mir die Wahrheit über die
    aktuelle Zeit, und trieb mein Innerstes wie Sissifus damals den Stein.
    "Einen Neuen...hat sogar 'nen Mac...pffft...ich sollte..."
    Ja, was sollte ich? Sollte ich mal zu ihr rüber fahren. Dinge klarstellen?
    Nein, das hatten wir. Quasi Durchsicht auf beiden Seiten...Freundschaft
    ohne Sex - ...und all dies.

    Ich erwischte mich dabei, wie ich mich anzog, die nassen Sachen mit dem
    Fuß in die Badewanne schlenzte und meinen iPod, sowie Haustürschlüssel
    griff und in meine geliebten Reef Sneakers schlüpfte.
    Meine Hand, jetzt ziemlich beruhigt vom Malt Whiskey, begrub den Türgriff,
    wie eine Kinderhand einen Buntstift.
    Ich trat hinaus auf die Straße. "Mein Vorhaben könnte die Welt verändern.",
    dachte ich gerade, als...
     
  10. berichta

    berichta MacUser Mitglied

    Mitglied seit:
    10.12.2003
    Beiträge:
    77
    Zustimmungen:
    0
    ... ich bemerkte das die sonne wieder scheint!
    nun gut, ich wusste noch länger über die ganze geschichte nachzudenken würde keinen sinn machen, aber entscheiden wir schon bewusst nach sinn und unsinn?

    ich entschloß mich in den park zu gehen. vielleicht um den kopf zu lüften, vielleicht aber auch nur um die füße zu vertreten.
    tief atme ich die frische, noch feuchte luft ein.

    wie war das damals noch als wir uns kennenlernten? es war im herbst, und ähnlich wie heut vormittag begann es plötzlich an zu regnen. ich scheute mich nicht, und suchte mir einen öffentlichen platz wo es zudem trocken ist: die stadtbibliothek.
    ich hatte mein apple notebook zwar dabei, aber auch wenn es mich wie immer reizte, ein buch über die deutsche trinkkultur seit dem mittelalter war meines erachtens auch entspannend, und so entschloß ich mich in irgend eine ecke zu verkriechen, um dem regen konsequent zu entgehen..

    (platsch)
    verdammte pfützen...

    da saß ich also und dachte mir der tag würde mir nichts mehr bringen, als plötzlich die gesamte trostlosigkeit aus meinem leben zu verschwinden schien. ich konnte meine augen kaum noch davon ablenken, also ging ich näher. ich sah vollkommenheit, perfektion, schönheit, kurzum: die ipod werbung.
    also stand ich da und wusste genau: irgendwann einmal wirst du einen ipod mit der gravur "wir beide für immer zusammen" besitzen.
    in diesem moment rempelte sie mich an. ich sah ihr in die augen, und das einzige was ich noch sagen konnte war: "tschuldigung.. ich.. der ipod.. tut mir leid.." sie lächelte nur und meinte das macht nichts. so kam eins zum anderen...

    (platsch)
    ich sollte nach solchen regenfällen einfach zu hause bleiben, anstatt mit nassen füssen dahin zu gehen, wo mein ipod nur eine nebensächliche rolle spielen darf...
     

Diese Seite empfehlen