Organspende als Verpflichtung, eure Meinung.

Berlinmensch

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Verstörend dabei ist auch, dass ausgerechnet jener Minister, der sich zum Wortführer der Widerspruchslösung aufgeschwungen hat, in über 100 Fällen von Sterbewilligen "Njet" gesagt hat - es musste gelitten werden bis zum Schluss, auch wenn die Betroffenen selbst das ausdrücklich nicht wollten. Da werde ich dann doch hellhörig.
Vor allem existiert ja ein höchstrichterliches Urteil zur Sterbehilfe, während Herr Spahn seinen Mitarbeitern die Verschleppung quasi aufgetragen hat. Gab genügend TV Beiträge zu dem Thema in der letzten Zeit. Aber, über das Rechtsempfinden der CDU&CSU wurde man diese Woche durch Andreas Scheuer ja bestens aufgeklärt.
 

fa66

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… Verstörend dabei ist auch, dass ausgerechnet jener Minister, der sich zum Wortführer der Widerspruchslösung aufgeschwungen hat, in über 100 Fällen von Sterbewilligen "Njet" gesagt hat - es musste gelitten werden bis zum Schluss, auch wenn die Betroffenen selbst das ausdrücklich nicht wollten …
In einer Hinsicht handelt er folgerichtig: Leben erhalten; mit Ersatzteilen – oder palliativ.

Mal geht der Wille der Nichtspendenwoller unter, mal derjenige der Sterbenwoller.

Sollte tatsächlich meine – fraglose – Unterstellung der Absicht des Lebenserhaltens um jeden Preis die Triebfeder Spahns zur Widerspruchslösung sein, so wird dieser (m.M.n.) richtige Ansatz der Widerspruchslösung einerseits durch den falschen Ansatz des нет im anderen Fall entwertet. Es sollte eben nicht um die absolute Lebenserhaltung, sondern die relative, private, vom Betroffenen individuell empfundene Erhaltung eines lebenswerten Lebens gehen – und ebenso um einen würdevollen Abgang.
 

magfoo

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Die Hoheit über seinen Körper muss derjenige haben, dem er gehört.
Darüber kann man diskutieren. Diese Hoheit ist ja jetzt schon eingeschränkt. Offensichtlich enden einige Rechte mit dem Tod, andere sind schon zu Lebzeiten eingeschräbkt. Beim Recht auf geistiges Eigentum hat man sich auf 70? Jahre nach dem Tod geeinigt.

Die Kunst ist es jetzt, den gesellschaftlichen Konsens zu finden wo der Tod anfängt und welche Rechte und Pflichten damit zu welchem Zeitpunkt erlöschen oder eingeschränkt werden dürfen. Wie gesagt, ähnliche Debatte wie "wann fängt das Leben an und was folgt daraus".
 

fa66

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[fa66: Mal geht der Wille der Nichtspendenwoller unter,] Tut er nicht. Du kannst jederzeit widersprechen.
Doch. Täte er in einer Weise schon: nämlich im Widerstreit des Nichtspendenwollens einerseits – und dem eventuellen gleichzeitigen Nichtwollen des Sichäußernmüssens darüber andererseits.

Meine Wertung geht dahin, dass die Verfügung über Spenderorgane, d.h. deren Verfügbarkeit, das höhere Gut ist, dem sich der Nichtspendenwoller daher eben aktiv durch bspw. einen Nichtspenderausweis (oder hinreichenden -vermerk) unterordnen möge. Andere gewichten eben anders.
 
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Prinz Herbert

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Sollte tatsächlich meine – fraglose – Unterstellung der Absicht des Lebenserhaltens um jeden Preis die Triebfeder Spahns zur Widerspruchslösung sein, so wird dieser (m.M.n.) richtige Ansatz der Widerspruchslösung einerseits durch den falschen Ansatz des нет im anderen Fall entwertet. Es sollte eben nicht um die absolute Lebenserhaltung, sondern die relative, private, vom Betroffenen individuell empfundene Erhaltung eines lebenswerten Lebens gehen – und ebenso um einen würdevollen Abgang.
Eben. Und da argwöhne ich, dass auch wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle spielen. Dabei geht es nicht darum, dass sich einzelne möglicherweise die Taschen vollmachen wollen, sondern dass im Kapitalismus der Rubel zwingend rollen muss. Sterbewillige am Leben zu erhalten bedeutet auch, einen Beitrag zum Erhalt der Wirtschaft zu leisten - gerade die letzten Tage und Wochen eines Todkranken sind für die Medizinbranche ziemlich lukrativ, Organtransplantation ebenfalls. Dabei mögen es die Lebensschützer von den EKD-Grünen und der Union ja herzensgut meinen, die Organspender sowieso - aber misstrauisch wird man dann doch, wenn man die Rahmenbedingungen kennt, unter denen der Medizinbetrieb läuft.

Ich glaube, dass Aufklärung über das Prozedre der Organspende - was bedeutet Hirntod eigentlich, usw. - der beste Weg ist, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen. Aber es reicht nicht. Solange immer und immer wieder Operationen stattfinden, die nur für die Bilanzen eines Krankenhauses gut sind (und nicht selten für den Patienten sogar eher schlecht), wird ein grundsätzliches Misstrauen bleiben, und das wird sich gerade dann noch ausweiten, wenn der Gesundheitsminister "Spende per Default" fordert.
 

magfoo

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Den Umfragen nach, die ich jetzt so im Kopf habe, ist Misstrauen gegenüber dem System kein grosses Problem bei der Spendenbereitschaft. Das Hauptproblem ist der innere Schweinehund. Es sind unheimlich viele, die zwar theoretisch bereit zu einer Spende sind, aber es irgendwie nicht auf die Reihe bringen, sich einen Spenderausweis zu organisieren. Eine andere Gruppe sagt: "hab ich noch nicht drüber nachgedacht".

Übrigens: selbst wenn jemand gerettet wird, der durch Schmiergeld oder sonstwas an das Organ gekommen ist, so ist immer noch jemand gerettet worden. Verzichte aus Angst vor so etwas auf die Spende, ist damit niemand geholfen. Dann ist sowohl der ehrliche Mensch als auch der Betrüger tot. Doppelt verloren sozusagen...

Edit: Tippfehler und Satzzeichen.
 
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Ralle2007

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Den Umfragen nach, die ich jetzt so im Kopf habe, ist Misstrauen gegenüber dem System kein grosses Problem bei der Spendenbereitschaft. Das Hauptproblem ist der innere Schweinehund. Es sind unheimlich viele, die zwar theoretisch bereit zu einer Spende sind, aber es irgendwie nicht auf die Reihe bringen, sich einen Spenderausweis zu organisieren. Eine andere Gruppe sagt: "hab ich noch nicht drüber nachgedacht".

Übrigens: selbst wenn jemand gerettet wird, der durch Schmiergeld oder sonstwas an das Organ gekommen ist, so ist immer noch jemand gerettet worden. Verzichte aus Angst vor so etwas auf die Spende, ist damit niemand geholfen. Dann ist sowohl der ehrliche Mensch als auch der Betrüger tot. Doppelt verloren sozusagen...

Edit: Tippfehler und Satzzeichen.
Sehe ich auch so.
Habe auch ein Organspender Ausweis, für mich gehört dass mit zum Leben. Mir wurde gesundheitlich schon viel geholfen und man kann auf diese Art auch was zurückgeben.
 
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