Kennt Ihr den Begriff Lärmwächter aus eurer Schulzeit?

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macuser

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Hallo zusammen,

In der Klasse meines Sohnes hat der Lehrer 2 Mädchen als Lärmwächter deklariert. In der kleinen Pause schreiben diese alle Mitschüler auf die sie zu laut finden.
Wer zweimal aufgeschrieben wird, bekommt eine Mitteilung an die Eltern. So eine Mitteilung hat mein Sohn jetzt zum ersten Mal mit nach Hause gebracht.
In der Grundschule ist er immer wegen seinem guten Sozialverhalten gelobt worden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er in den letzten 5 Monaten zum Störenfried geworden ist.
Langsam fangen einige laut meinem Sohn an, vor diesen Lärmwächtern Schiß zu bekommen.

Wie findet Ihr so eine Methode? Das kann das Klassenklima doch nur verderben, oder? Diese armen beiden Polizistinnen müssen sich unbeliebt machen.

Natürlich nicht bei ihren besten Freundinnen, die werden sie wohl kaum aufschreiben.
Die angeblich zu lauten Kinder werden auch nicht vorher ermahnt und wissen gar nicht, dass sie jetzt einen Eintrag haben.
Der Lehrer sagt, sie sollen den beiden vertrauen, es wird schon stimmen was sie schreiben. Er selbst ist in der kleinen Pause nicht unbedingt anwesend.

Habt Ihr schon mal von so was gehört? Ich finde schon den Begriff Lärmwächter zum ersticken.
Was meint Ihr?


Gruß
macuser
 

i_lp

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Es wandelt sich zum Polizeistaat, auf jedenfall eine Vorstufe!
 

Gray

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gegen sowas sollte man was unternehmen, wie wird denn garantiert dass die Lärmwächter nicht einfach willkürlich, nach sympathie, vorgehen?!
 

Xray

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Ich würde mal mit dem Lehrer ein tieferes Gespräch suchen.
Wie kann das sein das Schüler Aufsichtsfunktionen einnehmen?
Auch ist das sehr schädlich für ein gutes Klima des Klassenverbandes
Wenn das nicht fruchtet mit einem Gespräch, hilft meist auch der Schuldirektor bzw. die zuständige Schulbehörde
 

Xray

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HTML-Code dürfte hier nicht funktionieren
 
M

miguel_alemania

Vielleicht mal mit dem Lehrer reden, vielleicht hat er eine wohlüberlegte pädagogische Begründung dafür - wobei das mit Pädagogik m. E. nicht viel zu tun hat.
Einwand 1: Das verleitet zu Denunziantentum - das Sozialverhalten zu steuern, zu fördern ist Lehreraufgabe, nicht Sache der Schüler.
Einwand 2: Jeder weiß, dass die Arbeitsbelastung von Lehrern speziell in der Sek I groß ist, zu groß, und das ist kein Scherz. Aber diese Belastung auf Kosten der Schüler zu minimieren halte ich für nicht zulässig.
Einwand 3: Selbst in der kleinen Pause muss ein Lehrer anwesend sein - Aufsichtspflicht. Und der kann er sich nicht dadurch entziehen, dass er Schüler mit dieser Aufgabe betraut.

Gibt sicher noch mehr. So geht das auf keinen Fall.

Den nächsten Elternabend / die nächste Klassen- oder Stufenkonferenz nutzen und das Thema ansprechen, andere Eltern dazu befragen.
 

tapatim

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grausam!!!!!!!! da fällt mir nur blockwart dazu ein! der lehrer ist ein mehr als unfähiger pädagoge, wenn man ihn überhaupt so nennen kann ...
 

redhabanero

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noch nie gehört ....

über die aufsichtspflicht des lehrers muss man in diesem fall nicht reden, oder ?

irgendwie klingt das alles sehr verdächtig nach ganz üblem denunziantentum ... find ich nicht wirklich gut ...

gerade nicht bei kindern ... unterm strich (wie du schon gesagt hast) wird die lärmpolizei mit sicherheit nicht ihre beste freundin aufschreiben und sie beim lehrer verpfeifen .... ich denke die aktion ist ziemlicher schwachsinn und deinem junior würd ich sagen, daß es scheissegal ist, wieviele von diesen mitteilungen er nachhause bringt, denn falls ich an deiner stelle nur eine dieser mitteilungen von meinem sohnemann überreicht bekomme, steh ich mit sicherheit nicht bei der lehrerIn, sondern entweder beim direktor ... wobei der landesschulinspektor (gibts sowas bei euch ?) mit sicherheit auch gern über diese neuen aufsichtsmethoden in kenntnis gesetzt werden würde ...
 
D

DickUndDa

Lärmwächter sicher nicht gut - sollte auch ziemlich schnell vom Tisch sein wenn man damit an den Rektor herantritt - aufsicht ist Job des Lehrers...

Aber auch dein Sohn kann scheiße bauen - also auch das nicht einfach hinnehmen. Ich habe schon zu viele Beispiele gesehen wo die Eltern sich einfach nicht vorstellen können dass ihr lieber kleiner sowas macht...
 

micki-mac

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Abartig. Was ist das für ein Lehrer?! :confused:

Als jemand, der das zweifelhafte Glück hatte, in den 60er Jahren in die Schule zu gehen, bin ich einiges gewohnt, und als Vater von Schulkindern durfte ich weitere schöne und weniger schöne Schulen kennen lernen, aber das ist mir bisher noch nicht untergekommen. Ich habe auch große Bedenken bezüglich der Folgen für die Klassengemeinschaft. Mein Tipp: Mit anderen Eltern darüber reden und dafür sorgen, dass das aufhört.
 

SigmaLA

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Und morgen dürfen sie Todesurteile verhängen, will man 2 Lärmwächter haben und schwups ist die Gestapo im Haus. Vll haben sie im Keller schon ein Verhörzimmer?

Naja irgendwie kindisch solche Aktionen (Nicht der Post)
 

drums

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Das ist ja der Gipfel.
Mit dem Lehrer würde ich gernee mal ein paar Worte wechseln.
Und du solltest das tun, es geht doch nich an dass Kinder von Kindern auf Lautstärke hin überwacht werden und dann auch noch verpfiffen werden.
Wie weit muss es eigentlich noch kommen?
Sorry, aber da werd ich vom Lesen schon regelrecht wütend.

Grüße,
Robert
 

Ranmaru

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Wir hatten in der Orientierungsstufe auch immer zwei Schüler, die sozusagen die für eine Rolle der Pausenaufsicht übernehmen mußten (das waren interessanterweise auch fast immer Mädchen). Die sind dann während der Pausen im Klassenraum geblieben und sollten darauf aufpassen, daß sich keiner im Gebäude herumtrieb sondern, wie es die Regeln vorschrieben, alle auf dem Pausenhof waren. Sollte dennoch wer in die Räume kommen, hatten sie ihn aufzuschreiben und später einem Lehrer zu melden, damit der Rüffel verteilen konnte.
Da diese Aufgabe jedoch im Wochentakt von anderen übernommen wurde, konnten wir nach einer Weile recht gut abschätzen, wer uns wirklich verpetzte und bei wem wir uns in Sicherheit wiegen konnten. Die Petzen haben sich natürlich recht schnell unbeliebt gemacht.

Die Situation in Deiner Geschichte scheint aber ja noch etwas anders zu liegen, da diese "Lärmwächter" schon subjektiv beurteilen müssen, wer zu laut ist und wer nicht. Unsere Pausenaufsichtsgehilfen brauchten ja immer noch einen festen Beweis (und so hinterfotzig, einfach zu behaupten, jemand hätte gegen die Regeln verstoßen, wenngleich dem nicht so war, war in der Orientierungsstufe noch niemand ^^) … ich würde an Deiner Stelle vielleicht mal mit dem Klassenlehrer Deines Sohnes sprechen und auf die offensichtlichen Nachteile in dem System hinweisen. Denn abgesehen davon, daß die Schülerinnen sich mit ihrer Aufgabe wohl keine Freunde machen werden, könnte da ziemlich schnell ein ungewolltes Hierarchiegebilde bzw. eine Machtposition entstehen.
Ich weiß ja nicht, in welcher Stufe Dein Sohn sich momentan befindet (d.h. wie alt er und seine Mitschüler sind), aber ab einem gewissen Alter—ich sage mal mit dem Eintreten der Pubertät—könnten einige Schüler solche Positionen bestimmt auch für den eigenen Vorteil mißbrauchen und das kann ja kaum im Interesse des Lehrers liegen.
 

Wolle84

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macuser schrieb:
Hallo zusammen,

In der Klasse meines Sohnes hat der Lehrer 2 Mädchen als Lärmwächter deklariert. In der kleinen Pause schreiben diese alle Mitschüler auf die sie zu laut finden.
Wer zweimal aufgeschrieben wird, bekommt eine Mitteilung an die Eltern. So eine Mitteilung hat mein Sohn jetzt zum ersten Mal mit nach Hause gebracht.
In der Grundschule ist er immer wegen seinem guten Sozialverhalten gelobt worden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er in den letzten 5 Monaten zum Störenfried geworden ist.
Langsam fangen einige laut meinem Sohn an, vor diesen Lärmwächtern Schiß zu bekommen.

Wie findet Ihr so eine Methode? Das kann das Klassenklima doch nur verderben, oder? Diese armen beiden Polizistinnen müssen sich unbeliebt machen.

Natürlich nicht bei ihren besten Freundinnen, die werden sie wohl kaum aufschreiben.
Die angeblich zu lauten Kinder werden auch nicht vorher ermahnt und wissen gar nicht, dass sie jetzt einen Eintrag haben.
Der Lehrer sagt, sie sollen den beiden vertrauen, es wird schon stimmen was sie schreiben. Er selbst ist in der kleinen Pause nicht unbedingt anwesend.

Habt Ihr schon mal von so was gehört? Ich finde schon den Begriff Lärmwächter zum ersticken.
Was meint Ihr?


Gruß
macuser
Sowas ähnliches gabs bei uns auch in der Schule... In der Grundschule genauso, wie du es beschriebst - in der Hauptschule gings weg vom Schulhof in die Klassenzimmer - da stand während der Unterrichtsstunden jemand an der Tafel und hat alle, die etwas getan (odern icht getan haben) angeschrieben - und für jeden "Verstoß" gabs 'ne Seite Aussatz, in der Realschule ging es direkt mit Klassenbucheinträgen, Mitteilungen an Eltern sowie Verweisen los.
Die Stasi lässt grüßen... Für den Spruch hab ich mir damals auch mal irgendwas eingehandelt... Irgendwie kam meine damalige Lehrerin wohl aus'm Osten - shit happens. :D

Ich würde einfach mal beim Schuldirektor Terror machen - den Elternbeirag drauf hetzen und sonst direkt zum Kultusministerium. Und wenn alle Strickle reißen die Schule wegen Nötigung, seelische Grausamkeit, ... verklagen. Hat glaubei ch noch niemand versucht. :D

Greetings,
Wolle
 

Difool

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Evtl. könnte man dem entsprechenden Lehrkörper mal den Roman
„Die Welle“ von Morton Rhue ans Herz oder in die Erinnerung legen.

Wir, meine damaligen Schulklasse, hatten für die große Pause seinerzeit
eine Schülerbesetzte "Pausenaufsicht". Diese nach dem Alphabet eingeteilten
Schüler sollten die Klassenkameraden immer aus dem Unterrichtsraum
werfen, wenn diese dablieben. Blieben welche trotzdem da, wurden sie mündlich
"gemeldet". Den Sinn hat niemand verstanden – schon garnicht wenn es
wie hulle draussen regnete.

Eine klasseninterne Schülerabstimmung über diese "Lärmwächter" wäre da
wohl angebracht. :)
 

CaptainHarlock

MacUser Mitglied
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Ich finde sowas sollte mit dem Schuldirektor besprochen werden. Es kann ja wohl nicht sein, daß der Lehrer seine Aufsichtspflichten auf Schüler/innen überträgt. Das trübt das Klima in der Klasse. Außerdem sollen die Lärmwächterinnen die Kinder aufschreiben die SIE als zu laut empfinden. Unvorstellbar daß diese ihre eigenen Freunde oder Freundinnen als "zu laut" empfinden. Des Weiteren sollen sie doch die Namen der Schüler aufschreiben die zu laut in der kleinen Pause waren (oder verstehe ich das flasch?) - naja wenn kinder in der Pause laut sind dann ist das mehr oder weniger normal denke ich. Solange sie nicht den unterricht stören können sie sich doch in der Pause "austoben".
 

walfrieda

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dazu fällt mir nur ein:
"Die größte Sau im ganzen Land
ist und bleibt der Denunziant."

sowas wie "Lärmwächter" geht gar nicht. Sprich ein klares Wort mit dem Lehrer, wenn er nicht einsichtig ist, wende dich an die Schulbehörde. Wenn diese auch nicht reagiert (was ich mir nicht vorstellen kann), wende dich an die örtliche Presse.
 

rotakiwi

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Bei uns in der Klasse, die im August in eine Stufe umgewandelt wurde, gabs sowas glücklicherweise nicht. Aber ich rieche Willkür und verstärkes Mobbing.
ARMSELIGER PÄDAGOGE.
 

animalchin

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Starkes Stück.
Ich weiß, dass fast alle Lehrer Schüler als "Ersatz-Aufsicht" verpflichten, wenn sie notgedrungen das Klassenzimmer verlassen (Nein, nicht um eine zu rauchen, sondern weil jemand in der Toilette eingesperrt wurde, der Kopierer Rauchsignale gibt oder die Eltern eines Schülers angerufen werden müssen).
Die dabei notierten "Störenfriede" dürfen aber höchstens als Notiz in den eigenen Schülerbeobachtungen landen und dürfen keinesfalls als Grundlage für disziplinarisches Vorgehen verwendet werden. Völlig unverantwortlich auch, die "Lärmwächter" in so eine Denunziantenrolle zu bringen.

Ich würde als erstes ein sachliches, ruhiges Gespräch mit der Lehrkraft anstreben (irgendwie sagt mir mein Bauch aber, dass da nichts vernünftiges rauskommen wird), dann mit der Schulleitung. Sollte auch das nichts fruchten, bleibt nur noch der Weg zur Schulaufsicht der zuständigen Gemeinde/Stadt.
Das geschilderte Vorgehen widerspricht jedenfalls so ziemlich allen pädagogischen Grundsätzen und Lehrerdienstordnungen. :(

Aus eigener Erfahrung (als Elternteil) gebe ich aber zu bedenken, dass die Sprößlinge manchmal in Schule oder Kindergarten wirklich anders sind als zuhause. ;)
Was an der unzumutbaren Sachlage natürlich nichts ändert.


animalchin
 
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