Kann/darf man Religion unterrichten, ohne gläubig zu sein?

Diskutiere das Thema Kann/darf man Religion unterrichten, ohne gläubig zu sein? im Forum MacUser Bar. Man kann skeptiker und gläubig zugleich sein. Man wird dabei auf widersprüche in seiner...

  1. MacEnroe

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    Wenn du glaubst, dass Christus dein Erlöser ist, bist du Christ.
    Jedenfalls nach der Definition deines Glaubens.

    Du kannst aber auch sagen, dass du Christ bist, wenn du nicht daran glaubst.
    So wie die meisten „Christen“.

    Mir ging es aber um die dazwischen, die eigentlich glauben, dass Jesus der Erlöser ist, die
    aber immer wieder auch daran zweifeln. Die sich damit beschäftigen, aber keinen wirklichen
    innerlichen Zugang finden.
     
  2. Prinz Herbert

    Prinz Herbert Mitglied

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    Doch, durchaus. Auch der Buddhismus bietet eine Antwort auf die Absurdität des Lebens, insbesondere auf die Mühen und Plagen, auf die skandalöse Ungerechtigkeit: das Nirwana, ein Zustand, der...

    "...vom historischen Buddha an mehreren Stellen des Suttapitaka 'das höchste Glück' genannt (wird). Dieses keinem Entstehen, Vergehen und Anderswerden unterworfene Wohl ist allerdings nicht ein angenehmes Gefühl, sondern ein Glück unabhängig und jenseits aller Gefühle, Bedingungen und Gestaltungen. Nirwana ist gleichbedeutend mit innerer Ruhe und besteht im Freisein von aller Unruhe des Geistes, allen Wünschen und Denkvoraussetzungen. Nirwana bezeichnet damit einen spezifischen, aber ungewöhnlichen und im Samsara weitgehend unbekannten Geisteszustand." (wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Nirwana )

    Auch das ist ein "Heilsversprechen", auch wenn es sich von den Heilsversprechen theistischer Religionen deutlich unterscheidet.

    Ich denke, dass alle Formen von Religion letztendlich aus dem unschönen Umstand heraus entstanden sind, dass es nicht leicht ist, Mensch zu sein. Zentral sind immer Erlösungskonzepte - mal mehr diesseitig, mal mehr jenseitig, mal mit Gott, mal ohne. Religionen werden attraktiver, je stärker Mühsal, Plage, Ungerechtigkeit und die Gewissheit, dass letzten Endes doch alles für die Katz ist, spürbar werden.
     
  3. Westbub

    Westbub Mitglied

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    Ja, die armen brauchen die Religion um das Leben als unterdrückter kleiner Slave des Wirtschaftswachstums zu ertragen und auf ein schönes Leben nach dem Tod zu hoffen.und die Führer und Gewinner um mit genug beterei Erlösung von ihren Sünden, damit ihr Leben im Leben nicht durch Gewissensbisse gestört wird.
    Religion ist ne feine Sache. Besonders der Teil mit den selbstgeiselungen.
     
  4. MacEnroe

    MacEnroe Mitglied

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    Ich ändere die Frage mal ein wenig:

    Darf man mit seinen Kindern Sonntag in die Kirche gehen, singen und beten, darf man zusammen
    Weihnachten und Ostern feiern ... ohne gläubig zu sein? (aus moralischer und erzieherischer Sicht)
     
  5. magfoo

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    Das kommt drauf an. Ich heuchle da aber nix. Die Kirchengemeinde kennt meine Einstellung zu Gott. Witzigerweise bin ich auch in einem christlichen Verein engagiert.
    Bis aufs Beten mache ich auch vieles davon mit meinen Kindern. Als Atheist beten ist irgendwie unlogisch. Ich wüsste ja gar nicht zu wem oder was.
    Vermutlich der einzige bekennende Atheist dort. Das Ziel einer besseren Welt eint uns. Die Motivation ist nur leicht anders.
    Man feiert Feste so wie sie fallen. Ich würde auch das Zuckerfest feiern wenn es Feiertag wäre. Leider hat sich Berlin diese Gelegenheit nehmen lassen und stattdessen den Frauentag zum Feiertag erklärt. Wäre es wenigstens der Weltkindertag gewesen. Aber es entscheiden leider keine Kinder darüber...
     
  6. EutinOH

    EutinOH Mitglied

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    Wieso machen wir uns das Leben eigentlich anhand eines unregelmäßigem Verbes so schwer?
    Wäre eine für mich wesentlich interessantere Frage ...
     
  7. MacEnroe

    MacEnroe Mitglied

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    In der Kirche betet man halt das Vaterunser. Aber du gehst mit den Kindern nicht in die Kirche,
    so verstehe ich dich. Gute-Nacht-Gebete kann man auch den Kindern erzählen. Auch wenn man
    selber nicht (mehr) glaubt. Weihnachtslieder sind ja teils auch ein Bekenntnis.
     
  8. MacEnroe

    MacEnroe Mitglied

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    Das wichtigste fehlt in deinem Zitat: „aus moralischer und erzieherischer Sicht“.
    Klar darf man, prinzipiell, aber darf man das, wenn man Kinder das richtige auf den Weg geben will?

    Ich kann das Verb weglassen und fragen: „Ist es richtig ...?“
     
  9. fa66

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    Erzieherisch? Ja sicher. Warum sollte man als Nichtgläubiger den Kindern vorenthalten, Dinge zu sehen und zu verstehen zu versuchen, die in der Welt um sie herum nunmal stattfinden. Eine eigene Meinung bilden zu können, setzt auf – ggf. moderierter – Auseinandersetzung mit dem Thema. Dazu mag man dann zu Ostern und Weihnachten neben dem religiösen Akt auch den kommerziellen behandeln.
     
  10. fa66

    fa66 Mitglied

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    Hat zwar nichts mit Religion zu tun…
    Warum »schwer«?
    Sprache (genauer, die Sprachgemeinschaft, die sie spricht) tut langfristig nichts, was insgesamt unökonomisch ist. Wenn also auch in der deutschen Umgangssprache unregelmäßige Verben bestehen bleiben, dann, weil sie im Kommunikationsprozess irgendwie hilfreich sind; mehr noch, sie sind ja überhaupt erst durch die Umgangssprache geformt worden – und nicht etwa durch Deutschlehrer, deren konservativer Einfluss erst seit vielleicht 250 Jahren durch die Schulpflicht wirkt, also wesentlich kürzer, als die Zeit, die es unregelmäßige Verben schon gibt.

    Übrigens: Verben zerfallen im Deutschen in zwei Gruppen, unregelmäßige und regelmäßige. Die regelmäßigen zerfallen dann wieder in zwei Gruppen, schwache und starke. So gesehen sind im Deutschen unregelmäßige Verben eher die Ausnahme.
     
  11. punkreas

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    Unsere sechseinhalb modalverben können für deutschlernerInnen eine große hilfe sein, weil sie so einfach sind. Erste und dritte person sind im singular und plural jeweils gleich und ans satzende kommt einfach das vollverb im infinitiv. Damit kann man fast alles sagen, ohne andere konjugationen lernen zu müssen – toller trick.
     
  12. MacEnroe

    MacEnroe Mitglied

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    so ein derailing hier :D
     
  13. EutinOH

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    Wahr keine Absicht, kam mir nur gerade in den Sinn, sorry ...
     
  14. somos

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    Was ich in der ganzen Diskussion hier vermisse ist der Gedanke an die Nächstenliebe.
    Nichts anderes ist was das Christentum transportiert, unter welchen Umständen und von wem vertreten ist mal dahingestellt (und oft aufs sträflichste verraten und für Machtzwecke missbraucht).

    Maria 2.0 ist eine Bewegung die Anteil haben will heutzutage, auch 'von unten' am Wirken der religiösen Taggewerke.
    Das sind ganz andere Prinzipien als das was hier seitenlang zu Diskussionen führt, hoch philosophisch und theologisch.
    Es ist die gelebte Kirche vom unteren Rand der Pyramide, nicht hoch oben in den Zirkeln der (Kirchen-)Macht.
    Und gerade die Frauen, (die die Kinder größtenteils versorgen,) begehren nun auf.

    Die Nächstenliebe hat zu vielen Heiligen(-verehrungen) geführt, und dem beugen sich auch schon seit langem Kirchenfürsten.
    Meiner Meinung nach ist es egal zu welcher und ob überhaupt man einer Religion angehört, aber dieses Grundprinzip ist es, worum es sich dreht.

    Und Kindern diese nahe zu bringen ist bestimmt Sinn und Zweck eines solchen Unterrichts, die vielen Formen die Religionen oder auch Atheismus hervorbringen schließen das nicht aus.
     
  15. Difool

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    Gestern sah ich einen Bericht über einen "autarken Bio-Hof" irgendwo in Deutschland.
    Bauen alles an und mahlen selbst Mehl, backen Brot und haben für ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse ein eigenes biologisches Düngeverfahren erabeitet.
    Als der Journalist mit einem der jungen Landwirte im Wirsing-Feld stand und fragte, warum all diese Mühe mit deren strikten Handeln bis hin zum Dünger etc. –
    fragte er ihn, ob es auch damit zu tun habe, das sie eine eigene Freikirche seien und ob es so Teil deren religösen Ideen oder Glaubens sei.
    Der junge Landwirt bestätigte dies und verweis als Beispiel auf deren Handlung ihres eigenen Düngers, damit der Boden auch für ihre Kinder noch ebenso gut,
    wenn nicht sogar besser, sein soll. Das hätte etwas mit ihrem Verständnis von Nächstenliebe und dem Respekt vor der Natur zu tun.
    Und das eine intakte Umgebung, also die Natur eingeschlossen, direkt zu deren Verständnis von Nächstenliebe zählen würde.

    Als Zuschauer dieses Interviews bekam man allerdings etwas das Gefühl, als ob es dem jungen Landwirt ein klein wenig unangenehm erschien,
    zu bestätigen, dass sie eine Freikirche seien und unter diesem Aspekt diesen Hof führen.
    Obwohl niemand der Beteiligten auch nur irgendwie "gefrömmelt" hätte.

    Für mich war zumindest interessant, dass "moderner Glauben" anscheinend auch so sinngebend sich ändern kann, dass es Lebensmittel, Landwirtschaft
    und generell die Natur einzubinden galt. Wenn dann daraus später "kein Schuh" werden wird.
    Aber das Äcker und Boden ein wenig "heilig" werden, ist durchaus gerecht – zwar uralt und von den Heiden aus dem Busch – aber wenn es der Sache dienlich ist.

    Letztendlich schwingt aber auch bei moderner Religion ein wenig "Brasil" thematisch mit.
    Die Zahnräder der Systeme bleiben gleich, es kommen welche hinzu, manche kommen weg oder an andere Plätze.
    Lest imo euren Kindern lieber die Geschichten von Rübezahl vor, statt die Bibel.
     
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