1. Wenn du alle Inhalte sehen, oder selber eine Frage erstellen möchtest, kannst du dir in wenigen Sekunden ein Konto erstellen. Die Registrierung ist kostenlos, als Mitglied siehst du keine Werbung!

Ist das Bürgergeld/b.l. Grundeinkommen unabwendbar?

Diskutiere das Thema Ist das Bürgergeld/b.l. Grundeinkommen unabwendbar? im Forum Archive.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. StarSirius

    StarSirius unregistriert

    Beiträge:
    884
    Zustimmungen:
    110
    Mitglied seit:
    04.01.2010
    Das ist eine mögliche Erklärung. Eine andere wäre, dass der Arbeitgeber gerne Leute für einen Euro die Stunde beschäftigen würde und daher Einfluss auf die Politik nimmt, um Regelungen, die genau das verhindern, zu unterbinden. Hier ist die Frage, was ist die Ursache und was die Wirkung.

    Auch hier sollte man sich die Frage stellen, warum die Politik nichts dagegen unternimmt bzw. so entschieden hat wie sie entschieden hat. Ist die Situation aus Nachlässigkeit heraus entstanden oder weil Lobbyisten gute Arbeit geleistet haben?

    MMn muss eine ganz neue Gesellschaftsform her. Wie diese aussehen soll, kann ich nicht sagen. Aber an schlechten Gesellschaftsformen festzuhalten, nur weil sie (vielleicht) die "am wenigsten schlechte" Gesellschaftsform ist, die man kennt, kann ja auch nicht die Lösung sein.

    Zur Sache: Die Höhe des Grundeinkommens sollte so bemessen werden, dass damit die Grundversorgung des Menschen sichergestellt ist, nicht mehr und nicht weniger. Wenn dann jemand höhere Ansprüche an seine Lebensqualität hat, muss er dafür arbeiten. Wenn das nicht als Anreiz genügt, wird man den Betreffenden auch nicht auf anderem Wege zur Arbeit bewegen können (außer man lässt ihn verhungern oder erfrieren).
     
  2. ricky2000

    ricky2000 Mitglied

    Beiträge:
    4.744
    Zustimmungen:
    61
    Mitglied seit:
    20.10.2003
    Das ist ein denkbares Szenario – wenn auch etwas dystopisch. Aber das Problem wird ohnehin unter Umständen ein Stück weit auf uns zu kommen. Denn in nicht all zu ferner Zukunft ist in der Tat nur noch einer kleinerer Teil der Bevölkerung "voll erwerbstätig" (wie man so schön im Politikersprech sagt).
    Dann wird es so oder so spannend, wie die Umverteilung stattfinden soll.
     
  3. in2itiv

    in2itiv Mitglied

    Beiträge:
    26.598
    Zustimmungen:
    1.634
    Mitglied seit:
    10.10.2003
    ....nur das das BGE so weit geht, das es keine Verwaltungsmonster wie Sozialgelder und Rente mehr gibt.

    ....an den meisten Jobs würde sich ja nichts ändern, denn die Firmen die produzieren oder dienstleisten wird es ja weiter geben. Was sich allerdings ändern würde ist, das ein Arbeitsplatz, der heute brutto 3.000 Euro kostet, den Arbeitgeber dann nur noch 500 - 1.000 Euro kosten würde.
     
  4. Macpong

    Macpong Mitglied

    Beiträge:
    1.130
    Zustimmungen:
    289
    Mitglied seit:
    16.06.2007
    Mir ist absolut schleierhaft wie ein vernünftig denkender Mensch gegen ein BGE sein kann.
    Wer um Himmels Willen würde sich mit 500,- € im Monat zufrieden geben? Vor allem dann nicht wenn Jobs nach ihrer Leistung bezahlt würden. Ein BGE würde nämlich das Angestellter/Arbeitgeberverhältnis umkehren. Menschen könnten nicht mehr so einfach zu Sklavenarbeit zu Hungerlöhnen gezwungen werden. Auf dem Arbeitsmarkt gäbe es ein System von Angebot und Nachfrage.
    Warum arbeiten Hartz4 Empfänger nicht nebenbei? Weil sie das erarbeitete Geld abgeben müssten. Für ein paar hundert Euro mehr im Monat, die sie dann auch behalten dürfen (!) würden die Allermeisten was arbeiten.
    Das Problem ist nicht daß die Leute keinen Bock zum arbeiten haben und mit 365,- € im Monat zufrieden sind, sondern daß es sich nicht lohnt arbeiten zu gehen.
    Ein BGE würde den Reiz zu arbeiten deutlich erhöhen, nicht vermindern.
     
  5. spoege

    spoege Mitglied

    Beiträge:
    2.795
    Medien:
    4
    Zustimmungen:
    7.341
    Mitglied seit:
    16.06.2007
    Spannend ist es jetzt schon. Und es wird noch spannender, wenn man sich vor Augen hält, dass ein immer grösserer Teil der Bevölkerung erwerbsunfähig ist und der Fürsorge bedarf. Nicht wenige von uns, die wir heute fröhlich hier posten, werden in absehbarer Zeit haushaltsnahe Dienstleistungen, Pflegedienste oder sogar einen Platz in einem Heim benötigen. Das schmälert das im Grundeinkommen zu verteilende "Volkseinkommen" weiter. Einzig Kapitalisten sind auf der sicheren Seite – es sei denn, der Staat besteuert deren Zinseinkünfte bis auf ein Grundeinkommen weg.
     
  6. tafkas

    tafkas Mitglied

    Beiträge:
    3.400
    Zustimmungen:
    325
    Mitglied seit:
    17.09.2005
    Hört sich an wie das ALG2. Grundversorgung: Dach über dem Kopf, Verpflegung und Krankenversicherung.
     
  7. in2itiv

    in2itiv Mitglied

    Beiträge:
    26.598
    Zustimmungen:
    1.634
    Mitglied seit:
    10.10.2003
    ...es geht bei den seriösen Modellen des BGE auch um mehr als 500 €/Monat. Das BGE soll je eine menschenwürdige Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen. Daher muss es schon höher liegen, als das Existenzminimum. Zudem muss es ehelich höher liegen, das sich einige Modelle für das BGE über eine erheblich höhere Verbrauchsteuer finanzieren (100% MwSt). Da dadurch der Wert den BGE sinken würde, müsste ein BGE entsprechend hoch angesetzt werden.
     
  8. spoege

    spoege Mitglied

    Beiträge:
    2.795
    Medien:
    4
    Zustimmungen:
    7.341
    Mitglied seit:
    16.06.2007
    Dieses System gibt es Markt der freiberuflichen Kreativen bereits. Da zwingen sich die Jobsuchenden selbst zu Hungerlöhnen, einfach, um im Markt bleiben zu können.
     
  9. in2itiv

    in2itiv Mitglied

    Beiträge:
    26.598
    Zustimmungen:
    1.634
    Mitglied seit:
    10.10.2003
    Nein, eben nicht. Das ist der Hauptunterschied zu solchen Zahlungen. Das BGE ist "bedingungslos", ein ALG2 ist das ja nicht.
     
  10. in2itiv

    in2itiv Mitglied

    Beiträge:
    26.598
    Zustimmungen:
    1.634
    Mitglied seit:
    10.10.2003
    ...du verwechselst da grundlegende Dinge.
     
  11. ricky2000

    ricky2000 Mitglied

    Beiträge:
    4.744
    Zustimmungen:
    61
    Mitglied seit:
    20.10.2003
    Es sind eher die wackligeren Modelle, die mit 1000€ und mehr rechnen.


    Das ist natürlich ein Riesengewinn für die, die nur das BGE als Einkommen haben, wenn gerade die mit der höchsten Konsumquote am meisten unter den Konsumsteuern leiden müssen… Aber klingt doch toll, man kann unendlich hohe Summen versprechen. Dass die Kaufkraft dabei konstant niedrig bleibt, fällt hinten runter. Schicke Teilhabe wäre das ;)
     
  12. tafkas

    tafkas Mitglied

    Beiträge:
    3.400
    Zustimmungen:
    325
    Mitglied seit:
    17.09.2005
    Hartz IV Empfänger bekommen zu wenig Geld zum Leben. Dann gibt man ihnen das doppelte als BGE und erhöht nebenbei die MwSt. auf 100%? Da werden die sich ja freuen. :)
     
  13. spoege

    spoege Mitglied

    Beiträge:
    2.795
    Medien:
    4
    Zustimmungen:
    7.341
    Mitglied seit:
    16.06.2007
    Mag sein. Vielleicht verstehe ich die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens einfach nur nicht.

    Wenn man sich das dänische System anschaut, so war man dort schon sehr weit in Richtung Grundeinkommen. Das wurde nicht unbedingt in Geld ausgezahlt. Ein System von Subventionen/Besteuerungen, ergänzt durch ein kommunales Angebot von Dienstleistungen, sorgt für Teilhabe aller Bevölkerungsschichten.

    In den letzten Jahren ist das "bedingungslos" allerdings immer weiter eingeschränkt worden. Heute bekommt jede(r) ohne Arbeit eine persönliche Betreuung, die ein individuelles Fähigkeitsprofil samt Weiterbildung schneidert. Wer davon keinen Gebrauch macht, bekommt immer weniger Geld von Staat und rutscht auf den untersten Sockel.
     
  14. drmc_coy

    drmc_coy Mitglied

    Beiträge:
    580
    Zustimmungen:
    5
    Mitglied seit:
    01.02.2006
    Ich würde bei so was auswandern - meinen Job kann ich auch aus dem Ausland machen - ich käme dann alle 3 Monate für 4 Wochen her - nur müßte ich dann leider etwas mehr Geld für meine Dienstleistungen verlangen.... vermutlich das doppelte - ich bin sicher, andere würden das genauso machen. Dann kenn ich noch die Fraktion, die dann nur noch "nebenher" ca. 60 h die Woche schwarz was zum Bürgergeld dazuverdienen würde.
     
  15. fa66

    fa66 Mitglied

    Beiträge:
    12.373
    Zustimmungen:
    3.692
    Mitglied seit:
    16.04.2009
    Arbeitstätigkeit ≠ Erwerbstätigkeit – folglich: arbeitslos ≠ erwerbslos

    Wer etwa hier in diesem Forum durch Beiträge zu Problemlösungen für Andere hilft, dass die Produktivität jener Anderen gesteigert wird, arbeitet. Es liegt aber keine Erwerbstätigkeit vor.

    Auch die Tätigkeit der Hausfrau (ja – es ist halt immer noch mehrheitlich die Frau) wird nur halbherzig von der Gesellschaft gefördert.

    Die gegenwärtige Gesellschaft honoriert derartige gemein(schafts)förderlichen Tätigkeiten nicht. Ein Grundeinkommen (und zwar eines, von dem man über den Monat kommt) würde das leisten. Ich denke an eines, das einschließlich einer Kranken- und Pflegeversicherung nach gegenwärtiger Kaufkraft in DE etwa 1000€ netto erbrächte, was zwischen der definitorischen Armutsgrenze (etwa 940€ (OECD)) und der Pfändungsfreigrenze (etwa 1030€) läge. Und nicht jene Bürgergeldideen auch der FDP, die in Wirklichkeit nur einen Institutionalisierung des Aufstockerunwesens darstellt.

    Mit 1000€ kann man keine großen Sprünge machen. Es sichert aber sicher ein angemessenes selbstbestimmtes Leben in dieser Gesellschaft. Wer sich mehr leisten will, müsste davon eisern sparen – oder eben doch einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

    Und ja, ich bin gegen den Begriff der Bedingungslosigkeit. Denn die schwierigste Bedingung besteht ja schon effektiv, noch bevor ein Grundeinkommen eingerichtet würde: wer die Anspruchsbedingungen erfüllt. Wenn diese aber geklärt wären, könnte man das Grundeinkommen aber immer noch vernünftig einschränken: etwa wer bis zur Hälfte des Wertes des Grundeinkommens, also im Beispiel 500€ netto dazuverdient, kann das Grundeinkommen voll behalten, für jeden darüber hinaus verdienten Euro werden 67¢ vom Grundeinkommen abgezogen, bis der Erwerbstätige (eben nicht abrupt, sondern sachte) nur noch vom Erwerbseinkommen leben würden. Der Lebens-Mittelpunkt wäre eine weiteres brauchbares Maß für die Empfangsberechtigung. Oder in Verbindung mit einer 9-von-12-Monaten Residenzpflicht, weil das Geld ja am Orte wieder in den Geldkreislauf fließen soll.

    Und wenn sein Einkommen unter dieser Schwelle sänke, bekäme er automatisch den berechtigten Teil des Grundeinkommens (alle Einkünfte-Erklärungen laufen ja eh über die Finanzverwaltung alias Finanzamt).

    Auch wäre m.M.n. der Begriff der Bedarfsgemeinschaften nicht vom Tisch: wer – egal ob Ehe, Lebenspartnerschaft oder stud. Wohngemeinschaft – gemeinschaftliche Ressourcen nutzt, braucht (exemplarisch) keine zwei Küchen im Anteil des Grundeinkommens: Jeder bekommt zwar sein eigenes Grundeinkommen, aber gemeinsam eben nicht 1000+1000, sondern minus gewisser Pauschalen. Wer als Single in einer angemessenen 45qm-Wohnung leben kann (auch das aus den SGB I-XII) braucht pro Person mehr im Haushalt etwa 15qm und die anteilmäßigen Kosten einer 60qm- und nicht 90qm-Wohung würden in Anrechnung gebracht.

    Die Argumente für die Kosteneinsparungen in der Arbeitslosigkeitsindustrie wurden im Thread ja schon genannt.

    Und dass keiner mehr einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde wollen, ist bei den nun wirklich nicht großen Sprüngen, die man bei 1000€ machen könnte, nicht zu erwarten.

    Was zu erwarten wäre ist, dass wirklich wertlose Arbeitstätigkeiten aussterben würden: Ein Callcenter-Job, bei dem Ahnungslosen Zeitschriften aufgeschwatzt würden, müsste schon sehr gut bezahlt werden, um zu überleben. Das kann man dann getrost dem Mechanismus von Angebot und Nachfrage überlassen.
     
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite weitersurfst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Akzeptieren Weitere Informationen...