Colormanagement - Verständnisfragen zum Monitorgamma/Kalibrierung/Profilierung

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  1. 2nd

    2nd Thread Starter Mitglied

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    Hallo,

    ich beschäftige mich gerade interessehalber mit Farbmanagement und finde das ganze Thema recht spannend, nein, es macht sogar Spass :)
    Nun lese ich seit einer Woche in diversen Publikationen rum und es ist so wie immer: Je mehr man liest, desto mehr will man wissen.

    Ende nächster Woche bekomme ich ein Quato silver haze pro, mit dem ich dann ein bisschen rumprobrieren nöchte. Als Monitore arbeiten hier 2 Eizo S2411, bei denen man direkt über das Menu

    • den Gamma-Wert
    • die Farbtemperatur

    einstellen kann.

    Nun habe ich mich bisher viel mit Profilen/Farbräumen, der ECI, Softproofs usw. beschäftigt und verstehe die Hintergründe zumindest in Ansätze resp. kann bestimmte Workflows mittlerweile ganz gut nachvollziehen (Profileinstellungen Photoshop, Profilkonvertierungen, Softproofs für Zielvorgaben).

    Nun zu meiner Frage: Es geht um die Gamma und die Farbtemp. in Vorbereitung auf das Durchmessen am Monitor. Hier habe ich so viele Angaben gelesen, dass ich nun gar nichts mehr weiss.

    Cleverprinting schreibt 1.8/5800K, der (alte?) PrePress Standard ist 1.8/5000, manche sagen 2.2/6500...

    Mir geht es hauptsächlich um Fotobearbeitung und das spätere Entwickeln (nicht bei Schlecker ;)). Für Offsetdrucke bereite ich an diesem Arbeitsplatz nichts vor. Wie soll denn nun der Gamma-Wert am Monitor eingestellt sein, bevor ich kalibriere und profilieren lasse?

    Hat jemand einen Rat?

    Danke,

    2nd
     
  2. nggalai

    nggalai Mitglied

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    *schieb*

    Würde mich auch interessieren, was die Spezialisten dazu zu sagen haben. :)

    Meine eigene, sicher komplett falsche Meinung: Die gewählte Farbtemperatur ist wohl relativ egal. Ein Abzug wird eh nur dann so wie auf dem Monitor aussehen, wenn man ihn gleich unter einem passenden Photolicht betrachtet. Sonst hast Du immer Abweichungen, und wer schaut sich später seine privaten Abzüge immer unter einer D65-Lampe an?

    Entsprechend sollte man eine Farbtemperatur wählen, die einem „paßt“ (mir persönlich z. B. ist 6500 K zu kalt, 5000 K genau richtig) und den Monitor nicht überfordert – je nach Gerät und Farbtemperatur bekommt man u. U. die gewünschte Helligkeit nicht mehr hin.

    Liebe Grüße,
    -Sascha
     
  3. ernies

    ernies Mitglied

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  4. bond

    bond Mitglied

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    Die UGRA empfiehlt folgendes:

    - Farbtemp.: 5600 bis 6000 K
    - Gamma: 1.8 oder L-Star (L*) = gleichabständige Helligkeitsverteilung,
    ähnlich der menschlichen Wahrnehmung
    - Helligkeit: mind. 120 Candela pro Quadratmeter

    Ich arbeite persönlich mit der basiccolor Software und dem SQUID2 (baugleich mit dem EyeOne Display2) und habe gute Erfahrungen damit gemacht.

    Die basiccolor Software kann den Gamma-Wert auf L* einstellen.

    Auf welche Werte genau kalibriert und profiliert werden soll, ist pauschal schwer zu sagen.

    Fragen, die dafür beantwortet werden müssten:

    Welchen Farbraum benutzt Du vorrangig für digitale Bilder?
    Was für ein Umgebungslicht (Helligkeit und Farbtemp.) hast Du im Arbeitszimmer?
    Möchtest Du Drucker am Monitor per Softproof (in Photoshop) simulieren?

    Ich persönlich benutze folgende Werte:

    Farbtemp.: 5800 K
    Gamma: L*
    Helligkeit: 120 Candela pro Quadratmeter

    Ich bearbeite digitale Bilder für den Druck (Zeitungs - und Magazindruck). Fotografiere die Bilder im RAW-Format und wandle die Bilder später ins TIFF oder JPG-Format um (Adobe-RGB Profil eingebettet).

    Die Farbräume Adobe RGB und sRGB haben eine interne Helligkeitsverteilung von 2.2 und fast 2.2 und einen internen Weißpunkt von 6500 K (D65)... die vorgeschriebene Farbtemp. bei der Beurteilung von Drucken ist übrigens 5000 K...

    Was die Farbtemp. angeht, kann sich jetzt jeder überlegen, worauf er oder sie diese jetzt einstellt: 5000 K (D50) damit Druck und Bildschirm die gleiche Farbtemp. haben - dabei beachten, dass das Umgebungslicht auch 5000K hat, sonst wirkt das Monitorbild zu gelb - oder die gleichen Werte der verwendetet Farbräume der Bilder benutzen? Oder einen Mittelweg?

    Habe auch mal gelesen, dass das menschliche Auge die Farbtemp. D50 richtig einstuft, wenn diese im Monitor etwas über dem Wert von 5000K eingestellt wird (5500 bis 5800K).

    Hoffe ich konnte etwas weiterhelfen.

    Links zum Thema:

    www.basiccolor.de
    www.colormanagement.org
     
  5. 2nd

    2nd Thread Starter Mitglied

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    Danke bond - das ist aufschlussreich :)


    Die EOS hier liefert AdobeRGB, ich bin aber fast geneigt, die Bilder im L* Farbraum in Photoshop nach Konvertierung zu bearbeiten. Spricht da etwas dagegen?


    Das betrifft ja im Prinzip die Zielvorgaben bei der Kalibrierung. Bleibt immer noch die Frage, wie der Monitor vor der Kalibrierung eingestellt werden soll? Oder ist das egal, da die Profilierung eh auf die Zielvorgaben einstellt?

    Am Monitor bei mir würde das funktionieren:

    - Farbtemp.: 5500 oder 6000 K
    - Gamma: 1.8 oder 2.0 oder 2.2

    Was muss dann der Software vorgegeben werden?

    - Farbtemp.: 5500 oder 6000 K
    - Gamma: 1.8 oder 2.0 oder 2.2 oder L*?

    Folgendes Szenario

    Ich könnte ja am Monitor auch folgende "Extremwerte" einstellen:

    - Farbtemp.: 9000K
    - Gamma: 3.0

    Was passiert dann bei der Kalibrierung mit den Zielvorgaben? Wenn ich diese auch auf folgende Werte einstelle:

    - Farbtemp.: 5500 oder 6000 K
    - Gamma: 1.8 oder 2.0 oder 2.2 oder L*

    Holt das Monitorprofil/die Profilierungssoftware dann die Differenz zwischen Monitoreinstellungen und Zielvorgaben raus, weil die Software von einem "superschlechten" Monitor ausgeht?

    2nd
     
  6. ernies

    ernies Mitglied

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    nein, das funktioniert so leider nicht, denn sonst gäbe es keinen vergleichbaren standard.

    2 möglichkeiten gibt es. hardwarekalibration, der "königsweg". hier greift das messgerät grobgesprochen direkt auf den monitor zu und verändert dort die werte. die software misst zunächst alles auf "null" und kalibriert dann.
    fertig, geht alles automatisch.

    bei der softwarekalibration ( zum. funktioniert es so bei icolor display )
    fordert dich dass messgerät zunächst auf die werte für helligkeit, farbe etc.
    händisch mittels farbskalen, grauskalen etc. auf bestimmte werte abzugleichen. es erscheinen weiss- grau- schwarz-werte etc., die man dann messen muss und seinen monitor muss man parallel dazu über das OSD- menü regulieren bis die werte passen. der monitor steht danach wie oben auf "null". passt das alles sagt die software okay und beginnt die gewünschten werte für gamma, kelvin etc. zu regulieren.

    danach gibt bei icolor ( oder bei ugra zu kaufen ) die möglichkeit die
    einstellungen zu protokollieren und zu "zertifizieren", was den vorteil hat, dass es keine diskussionen mit der repro etc. über die bilder mehr gibt.

    es passieren aber keine wunder, das bild ist nicht schöner oder heller, sondern entspricht einfach dem geforderten standard.:)
     
  7. 2nd

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    Ok, das bringt Licht ins Dunkel! Super, vielen Dank. Also führt die Software durch die Softwarekalibration und man wird aufgefordert, immer 2 (evtl. verschiedenartig?) dargestellte Farbflächen/Verläufe per OSD abzugleichen?!

    Es wird also praktisch einmal eine "normierte" Farbfläche angezeigt, die Abweichung vom Gerät gemessen und ein Korrekturvorschlag gegeben?

    Das ist klar :)

    2nd
     
  8. bond

    bond Mitglied

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    Hi 2nd!

    Die Software vergleicht im Prinzip Soll-Werte mit Ist-Werten. Die Soll-Werte bestimmst Du innerhalb der Software (also Farbtemp., Gamma und Helligkeit).

    Auf der Basiccolor-Webseite ist ein Link zur Apple-Webseite, die anhand der Spiegel-Redaktion und dortigen Druckvorstufe erklären, wie z.B. bei Apple Displays die Einstellungen vorgenommen werden können. Schließlich haben Apple Displays ja "nur" einen Helligkeitsregler.

    Zur Kalibrierung:

    Die Basiccolor Software greift also in die Hardware-Steuerung des Displays ein (zumindest in die Helligkeits-Steuerung) und stellt die Zielwerte oder Soll-Werte ein.

    Die Gamma-Einstellung ist bei TFT's oder LCD's das, was bei Röhren früher der Kontrastregler war. Wenn es das Display unterstützt, würde ich den Kontrast auf L* stellen. Bei Apple Displays scheint das auch intern (in der Hardware des Bildschirms) zu funktionieren. So wie bei meinem iMac G5 iSight. Bei anderen Displays gibt es die Möglichkeit im OSD die verschiedenen Gamma-Werte einzustellen (genauso die Farbtemp.) - meistens von 1-2.2 (4000K bis 9000K oder so).

    Alles was Du im OSD des Bildschirms einstellen kannst gehört zur Kalibrierung des Monitors. Das Profil beschreibt im Prinzip die gemessenen Abweichungen davon und korrigiert diese per Profil in der Look-Up-Tabelle (LUT) der Garfikkarte.

    Zu den Farbprofilen der Bilder:

    Ich würde die Bilder nicht im L-Star Farbraum bearbeiten, sondern im AdobeRGB lassen. Photoshop oder das Colormanagement versucht eh bei der Anzeige den größeren Quellarbeitsfarbraum (hier: AdobeRGB) auf den Zielarbeitsfarbraum (hier: Dein Monitor) zu mappen.

    Nur sehr teure Monitore können den AdobeRGB darstellen. Alle anderen sRGB. Ein größerer Farbraum wird also auf einen kleineren gemappt (s. Rendering Indent bei Google - das wäre jetzt hier zu viel Info auf einmal).

    Für viele reicht also eigentlich sRGB für Bilder locker aus. Der L-Star Farbraum soll eigentlich ein medienneutraler Übergabefarbraum (an Druckereien) sein.

    ...

    Um es kurz zu sagen: ich habe mich entschieden die Vorgaben der UGRA jetzt mal als Zielwerte zu übernehmen und schaue mal, wie ich damit arbeiten kann. In der Basiccolor-Software (oder EyeOne Software) kann ich diese Ziele einstellen und das Messgerät und die Software machen den Rest.

    Da ich nicht hauptberuflich am Monitor Softproofs begutachten muss, sondern Bilder für verschiedene Druckausgaben bearbeiten muss, sind diese Werte ok...

    Hoffe, ich konnte weiterhelfen...

    viel erfolg noch!
     
  9. ernies

    ernies Mitglied

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    genau. es werden verschiedene farbflächen eingeblendet, hellstes weiss, dunkelstes schwarz und mittleres grau etc.. so lange am osd menü gegenregeln bis die vom messgerät gemessenen werte des monitors mit denen von der software geforderten werte übereinstimmen. schwarz wäre dann 0 und weiss 255 ( idealerweise )

    dann geht die messung los und lässt viele abstufungen von weiss bis schwarz und farbige felder automatisch ablaufen und vergleicht danach messung mit den hinterlegten idealwerten.

    dann wird man gefragt ob man das profil sichern will und damit ist es aktiviert. es erscheint dann auch in der sytemeinstellung, monitore- farben und lässt sich dort deaktivieren, falls nicht mehr gewünscht

    lässt sich alles hier in dem pdf ab seite 65 nachlesen. ich denke es sollte bei anderen lösungen gleich sein. dem quato silver haze sollte die software beiliegen ?


    Edit:
    jetzt:


    http://quato.de/german/manuals.php


    .
     
  10. 2nd

    2nd Thread Starter Mitglied

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    Die Rendering Intents zur Konvertierung von Farbprofilen sind mir bekannt. Ich komme ja eher aus dem Video-/Multimediabereich und dort ist es durchaus üblich, "schlechte" Ausgangsformate (z. B. DivX oder MPEG4 als Distributionscodecs) in höherwertige Formate zu kodieren, bevor man etwas an den Clips modifiziert - was ja durchaus Sinn macht. Besser wird es nicht mehr, aber eben auch nicht schlechter.

    Ich dachte mir halt, dass ich bestimmte Bilder im geräteneutralsten Farbraum bearbeite und am Ende von dort das Endergebnis auf die Zielgeräte per Profilkonvertierung "runterrechne". So kann man verteilen und steckt nicht in einer Sackgasse wie z. B. sRGB, zumal ISOcoated v2 ja einen grösseren Farbraum als sRGB abdeckt.

    Ich kann bei meinem Eizo das Gamma zwischen 1.4 - 3.0 einstellen (0.2 Schritte). Daneben gibt es noch eine Einstellung "Fixed" - entspricht das L*? Im Handbuch zum TFT finde ich leider nichts dazu...

    Ansonsten Danke ich Euch ganz herzlich erstmal für Eure Zeit, die Ihr in diesen Thread und meine Frage gesteckt habt :)

    Die Software liegt dem Haze Pro bei, jo. Ich kriege das Teil ja erst Ende der Woche - wahrscheinlich klären sich dann weitere Frage beim Kalibrieren...


    2nd
     
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