Steuerkram für Dummie-Freelancer?

Dieses Thema im Forum "Office Software" wurde erstellt von box, 14.08.2003.

  1. box

    box Thread Starter MacUser Mitglied

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    Ich hatte zwar schon einen ähnlichen Thread angeworfen, aber nun will ich das etwas präzisieren:
    Ich bin Freelancer und schreibe meine wenigen Rechnungen mit AppleWorks. Es gibt nur ein Girokonto für alle Überweisungen.

    Wenn der Steuerberater anfängt, zu mosern, sammle ich alle Belege, hefte alles brav ab, schreibe die Posten in eine Tabellenkalkulation und drucke das Ergebnis aus. Der Steuerberater nutzt zwar diese Liste, gibt aber alle Posten noch einmal ein, macht also die Buchhaltung selbst, die er auch berechnet. Nun denke ich, dass irgendjemand hier zuviel arbeitet (und berechnet), habe also beim Steuerberater nachgefragt, wie ich Daten für ihn aufbereiten muss, und der hat natürlich keine Ahnung, was auf dem Mac so geht. Es muss aber eine DATEV-Schnittstelle haben.

    Nun habe ich mich mal umgesehen, und es gibt einfach zu bedienende Programme für den Hausgebrauch ohne DATEV (HaBu, iCash, ProSaldo) und diesen komplexen Profikram, der doppelte Buchführung vorsieht und Buchhaltungswissen vorraussetzt.

    Daher meine Frage: Gibt es ein GANZ EINFACHES Buchhaltungsprogramm, das Daten erzeugt, mit denen ein Steuerberater etwas anfangen kann?

    Bzw. ist das überhaupt, prinzipiell, möglich? Kann ja sein, dass dieses Ansinnen so klingt wie: "Suche ein Programm, dass automatisch schicke Broschüren gestaltet, ohne dass ich davon Ahnung haben muss"

    Es wäre schön, wenn sich jemand melden würde, der genau dieses Problem auch hatte.
     
  2. robdus

    robdus MacUser Mitglied

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    Hallo Box,

    dafür müßte ich erst mal wissen, ob du die Systematik der Finanzbuchhaltung kennst. Also die Verbuchung laufender Geschäftsvorfälle.

    In der Regel ist es für einen Laien (sorry für den Ausdruck) selbst bei einfachster Buchhaltung absolut nicht möglich, die Finanzbuchhaltung selbst zu erstellen, daß der Steuerberater diese Daten ohne Änderungen übernehmen kann. Das fängt schon bei der Beurteilung umsatzsteuerlicher Sachverhalte an und endet mit mit der Unkenntnis der Grundsätze odnungsgemäßer Buchführung.

    Ich will dir mal das pro cedere beschreiben, was mit den Daten passiert, die beim Steuerberater ankommen:

    1. Steuerberater (mit wenigen Ausnahmen) sind absolute Computer-Laien.

    2. Kennen sie, wenn überhaupt, nur die Datev-Anwendungen

    3. Wenn der Mandant (in dem Fall du) ein Programm zur Buchhaltung benutzt, welches Datev-Kompatibel ist, heißt das noch lange nicht, daß diese Schnittstelle auch funktioniert.

    4. Kein Steuerberater setzt sein Siegel unter den Jahresabschluß, ohne im sogenannten Bestätigungsvermerk darauf hinzuweisen, daß die Finanzbuchhaltung nicht von ihm erstellt wurde, sondern lediglich die Gewinnermittlung. Das hat zur Folge, daß bei solchen Bestätigungsvermerken eine steuerliche Betriebsprüfung wesentlich wahrscheinlicher wird, und das will ja wohl keiner...

    5. Steuerberater werden nach der Steuerberater-Gebührenverordnung bezahlt. Innerhalb dieser Verordnung haben sie einen gewissen Spielraum. Das Ermessen der Höhe des Honorares richtet sich überwiegend nach dem Arbeitsaufwand. Ergo: je weniger arbeit das Mandat verursacht, desto weniger wird berechnet.


    Ich empfehle dir folgendes:

    Tu dir das mit der Selbst-Buchhaltung nicht an, wenn du nicht absolut fit auf dem Gebiet bist. Vergleichbar würdest du ja auch sagen, daß ein Steuerberater die Finger von der Entwicklung eines Corporate Designs lassen soll, weil das eh nur Murks gibt. Schaffe dir ein "sauberes" Beloegwesen zu. Das sieht so aus:

    Einen Ordner pro Monat (oder Quartal), aufgeteilt nach Bank, Kasse sowie Privatzahlungen. Die Bank soll lückenlos sein, kein Kontoauszug darf fehlen, hinter jedem Kontoauszug der entsprechende Beleg (Rechnung, usw.) zur Buchung auf dem Auszug, auf dem Kontoauszug erklärungsbedürftige Buchungen erläutern (ggf. auf einer Anlage dahinter), die Belege sauber abheften und nicht total zerknittert, bei kleinen Belegen (Tankrechnungen oder so) diese auf ein weißes A4 Blatt kleben und dieses dann abheften, keine gleichartigen Belege (Tankquittungen) selbst zusammenfassen und im Kassenbuch in einer Summe aufführen. Und das Wichtigste: Dem Steuerberater so früh wie möglich diesen Ordner zur Verfügung stellen, damit er die Aufgaben besser planen kann und eine Frist nicht versäumt wird.

    Sorry für das lande Posting, aber ist halt ein komplexes Thema. Wenn du das ein paar Monate gemacht hast, kannst du dem Berater ein neues (niedrigeres) Honorar vorschlagen.

    Gruß, Robdus
     
  3. box

    box Thread Starter MacUser Mitglied

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    Vielen Dank für das ausführliche Posting. So etwas hatte ich befürchtet.
    Ich bin einfach zu faul, mich mit Geld zu beschäftigen und zu geizig, äh, arm, um neben den Steuern auch noch einen Berater zu bezahlen. Da kann wohl kein Programm helfen.
    Die von dir beschriebenen Massnahmen mache ich schon lange, und zusätzlich noch eine Auflistung, auf die ich vielleicht auch verzichten kann, das würde mir schon mal einige Arbeit sparen.
    Bei mir reicht ein Ordner pro Jahr. (Der Steuerberater würde sich am meisten über ein separates Geschäftskonto freuen, aber das ist mir zu umständlich.)
    Nur mit der fristgerechten Abgabe klappt es eigentlich nie...
     
  4. robdus

    robdus MacUser Mitglied

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    Kann ich verstehen, ist ja auch ein trockenes Thema. Aber, wenn man die Sache so vor sich herschiebt, wird es echt zur Qual.

    Das mit dem Geschäftskonto würde ich an deiner Stelle machen. Ist viel transparenter. Das eigentlich lästige ist, daß man dann zwei EC-Karten hat. Du brauchst auf deinen Rechnungen lediglich die Bankverbindung ändern, und wenn du etwas für dein Unternehmen kaufst, zahlst du das mit der EC-Karte vom Geschäftskonto. Dann noch Beleg hinter dem Auszug und abheften. Schon kannst du dich schöneren Sachen widmen.:)

    Gruß, Robdus
     
  5. box

    box Thread Starter MacUser Mitglied

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    Ach, so als Trickfilmer und Grafiker ist alles geschäftlich. Irgendwie.

    Aber im Ernst:
    Mein Konto ist oft im Minus, und ich müsste bei einem Geschäftskonto ständig Geld hin-und herschieben, um den Mangel halbwegs zu verteilen. Die Vorstellung gefällt mir nicht. Und meine Frau bucht ihre Geschäftsvorgänge auch oft von meinem Konto ab. Das riecht nach Chaos.
     
  6. robdus

    robdus MacUser Mitglied

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    Klar, gerade als Graphiker ist es natürlich auch geschäftlich, wenn man sich in einer Cocktailbar den Stiel aus der Birne gezogen hat :D

    Letzter Tipp: Karte deiner Frau sperren (hi, hi)

    Gruß, Robdus
     
  7. leselicht

    leselicht MacUser Mitglied

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    Ich habe einmal einen kleinen "Nachhilfekurs" beim Steuerberater gemacht. Er hat mir genau erklärt, was ich machen soll.
    Das war mein Muster für die folgenden Abrechnungen, die ich per WISO-Programm auf nem PC mache. Das macht sogar Spaß so. Haste nen schnellen Mac läuft das auch per Emulation. Da ist dann immer ein Onkel, der per Videofilmchen alles erklärt.
    So spart man bis zu größeren Änderungen der Steuersituation wunderbar den Berater.
    Und bei dem Programm gibt es auch eine Plausibilitätsprüfung. Man kann nicht viel Müll produzieren damit. Schau Dir das mal bei nem Bekannten an wie das geht.
     
  8. Apfel-Lover

    Apfel-Lover MacUser Mitglied

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    Leselicht, bist Du ein komplett "vogelfreier" Mensch, meine: Freiberufler ? :)

    Ich persönlich würde Freelancern davon abraten, die Erklärung selbst zu erstellen - selbst dann, wenn eine Software mit ausführlichen Erläuterungen zum Einsatz kommt.

    Warum ?

    Die Einnahmen sind relativ schnell erfasst, das kriegt man noch alleine hin ;)

    Bei den Ausgaben und deren korrekter ( und somit steuersparenden ) Verbuchung wird es schon komplizierter: unterschiedliche Abschreibungsfristen ( linear ? progressiv ? ), evtl. Privatanteile, begrenzter /unbegrenzer Vorsteuerabzug, Ansparabschreibung, Kosten Geldverkehr etc. etc....das wird relativ schnell relativ unübersichtlich, auch wenn die Software mir noch soviel erklärt.
    Zudem: der Stempel eines Steuerberaters ( dessen Honorar ja auch eine Betriebsausgabe ist ) auf der Gewinn-/Verlustrechnung lässt aus gutem Grund die Wahrscheinlichkeit einer ausserplanmässigen Betriebsprüfung sinken.
    Wenn man alles selbst erledigt und die Belege nicht alle korrekt erfasst/archiviert/geordnet sind ( was Zeitaufwand und bei Freiberuflern somit auch Geld bedeutet ) - dann hat man bestimmt einen Heidenspass, wenn der nette Prüfer vom Finanzamt das Homeoffice besucht und gerne den Beleg für die 3,50 € teuren Briefmarken sehen will, die man am 17.5. des Vorjahres am Automaten gezogen hat...
     
  9. box

    box Thread Starter MacUser Mitglied

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    Ach, so richtige Buchführung hatte ich ja gar nicht im Sinn. Wie gesagt, sammle ich alle Einnahmen und Ausgaben in einer Tabellenkalkulation, der Übersicht halber, und ich dachte, es wäre doch schon mal was, wenn der Steuerberater nicht alle Zahlen von meiner ausgedruckten Tabelle noch mal abtippen muss. Wie die Posten dann verbucht und abgeschrieben werden, das weiss der Steuerberater ja eh besser.
    Aber soweit sind die Computer dann noch nicht...?
     
  10. leselicht

    leselicht MacUser Mitglied

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    Das ist alles zweifellos richtig. Wollte mit meinem Beitrag nur ein wenig die Angst nehmen, daß man auch Komplizierteres durchaus NACH ANLEITUNG DES BERATERS und durch einfaches Abschreiben und modifizieren der vorigen Erklärung selber machen kann. Ich habe jetzt die Erklärungen für 2 Jahre zusammen gemacht, incl eigener Tätigkeit, Festanstellung, anderer Einnahmen und Ablöse eines Leasing, Entlassung und Anwaltskosten. Das alles kann das Wisoprogramm, auch wenn man andere Familienmitglieder unterstützt und noch viele anderen Fälle mehr.
    Es hilft halt, wenn man in einigen Jahren mal nicht alle Jahre zum Berater läuft sondern selber schreibt.
    Aber wenn man bedenkt, daß dieser ganze Papiermüll dann noch gelesen und bearbeitet werden müssen, so ist es allerhöchste Zeit, daß das mal reformiert wird. Am besten ein Neubau des Steuersystems.
     

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