Der Macintosh - ein Nachruf

Dieses Thema im Forum "Mac-Gerüchteküche" wurde erstellt von simon03, 21.01.2004.

  1. simon03

    simon03 Thread Starter MacUser Mitglied

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    Hallo allerseits,

    macht Ihr Euch auch manchmal Gedanken darüber, wie es mit Apple im Allgemeinen und dem Macintosh im Besonderen längerfristig weitergeht? Das heißt, weit über Spekulationen um einen 3 GHz G5 hinaus?

    Wer sagt denn, daß Apples Zukunft im Computermarkt liegt? Zur Zeit gibt es deutliche Zeichen für eine massive Umorientierung von Apple hin zum Musikmarkt und "Premium"-Unterhaltungselektronik, sprich dem iPod. Und diesmal sind sie offenbar wirklich erfolgreich.

    Mal Hand aufs Herz liebe Leute: Der Macintosh war - nach klassischen kapitalistischen Erfolgskriterien betrachtet - doch nie ein richtig erfolgreicher Computer, sondern stets ein Nischenprodukt. Selbst der iMac G3 vermochte nie mehr als ein paar Prozent des Marktes für sich zu gewinnen. Der Marktanteil bleibt gleich - trotz Switch-Kampagne/OS X/gutem Image hier und Spyware/Virenterror/schlechtem Image dort.
    Apple hat mit dem Mac drei schwerwiegende Fehler gemacht:
    - Sie haben die Architektur viel zu spät lizenziert. Als sie es taten, hatte der PC schon gewonnen und die Verkäufe der Clones drückten auf die Verkäufe der Originale.
    - Sie haben viel zu lange für Copland/Rhapsody/OS X gebraucht. Wenn man 1998 noch kein preemptives Multitasking hat, ist das ist einfach schlecht. Seht euch System 7.5 an im Vergleich zu Mac OS 9.2, zwischen den beiden Versionen hat sich aus meiner Sicht nichts großes getan.
    - Der G4 saß viel zu lange auf demselben Entwicklungsstand fest.

    Die installierte Basis an Macintosh-Computer beträgt, wenn man Jobs Angaben auf der Keynote glauben will, etwa 23 Millionen Rechner (9 Mio. sind ca. 40 % von 23 Mio.). Mal kurz gegoogelt - Leute, das ist in etwa dieselbe Basis wie 1996!
    *Kein Wachstum* in *acht* Jahren!
    Zitat dazu aus dem erstbesten Link (http://members.aol.com/MacGui/hypfeb96.html): "The Macintosh computing platform has an installed base of some 20 million machines, with over 50 million users, according to Apple."

    Ich wäre nicht überrascht, wenn Apple den Macintosh über kurz oder lang einstellen würde. Denkt daran, Jobs sagte anno 97, nachdem er wieder zu Apple kam: "I would milk the Macintosh as long as possible, until the next big thing shows up" (oder so ähnlich, aber sinngemäß).
    Und wieder schnell ergoogelt: http://archive.scripting.com/1997/06/11 (recht weit unten ist Jobs Spruch)
    Ich nehme an, daß Jobs im Musikgeschäft das "next big thing" sieht und er gefällt sich in seiner Rolle als "Big Player" im Markt, das war während der Keynote am 7. Januar wohl offensichtlich ("Endlich einmal mehr als die üblichen 5 % Marktanteil...").

    Hier meine Theorie, wie Apples Unternehmensstrategie seit 1997 ausgesehen haben könnte:
    Seit 1997 versucht Jobs aus dem Mac-Geschäft auszusteigen, wobei er allerdings noch rausholt, was drin ist. *Langfristige* Investitionen in die Zukunft bleiben aus, es gibt keine *langfristigen* Ankündigungen mehr.
    Gleich am Anfang wurde alles eingestampft, was kurzfristig nicht lukrativ erschien (z.B. Digitalkameras, PDAs - beides heute Massenmarkt!).
    1998: Es gibt kein "next big thing". Also was tun? Wir packen die Rechner in durchdesignte Gehäuse und machen auf Lifestyle. Der iMac bringt uns über die Runden.
    Auch 2000 ist nichts in Sicht, aber man hatte ja etwas in petto: Aus dem jahrelangen Gewürge um das Mac OS der nächsten Generation wird schließlich OS X. OK, das hört Ihr nicht gern, aber wo war Apples Innovation dabei? Die Systemkomponenten von NeXT gekauft, der Kernel von der Open Source Gemeinde und das Ganze mit einer schönen Benutzeroberfläche garniert. Denkt jetzt bitte nicht, daß ich OS X für schlecht halte. Im Gegenteil, meiner Meinung nach ist es das Beste, was zur Zeit an Desktop-Betriebssystemen auf dem Markt ist. Trotzdem hätte Apple die Chance gehabt, wie damals anno 84 ein völlig neues Konzept zu wagen, etwas das auch OS X in den Schatten stellt. Haben Sie aber nicht getan, denn der kurzfristige Gewinn war ihnen wichtiger.
    2001: Inzwischen spricht es sich rum, daß MP3-Dateien so bequem aus dem Internet herunterzuladen sind. Jobs sieht seine Chance, beginnt mit der Entwicklung eines MP3-Players. Ihm ist klar, daß es Jahre braucht, bis aus Musik aus dem Internet eine ernsthafte Einnahmequelle wird, wenn überhaupt. Deshalb streckt er seine Fühler aus: wie weit kann man mit Lifestyle-Computern gehen? Der Cube kommt auf den Markt - und wird ein Flop. Die Leute wollen Leistung, kein Design.
    IBM kommt ins Spiel: Sie wollen eine Desktop-Variante des Power4 Serverprozessors bauen. Apple verhandelt mit IBM: Der Desktop Power4 soll eine Vektoreinheit enthalten und dafür in Macintosh-Rechnern zum Einsatz kommen. IBM "klebt" daraufhin eine Vektoreinheit "dran", die sie in ihren eigenen Produkten gar nicht nutzen. Seht euch die Architektur des G5 im Vergleich zum G4 an: Die Vektoreinheit ist deutlich schlechter ins Gesamtkonzept integriert. Durch Taktratensteigerung gleicht man den Verlust glücklicherweise sehr gut aus.
    2003 verabschiedet Apple sich vom teueren Design. Billig aber gut ist gefragt, Alu kleidet die neuen Rechner. Vorbei die Zeiten mit Titan und halbtransparenten Kunstoff-Metall-Gehäusen.

    Die Ära Macintosh nähert sich dem Ende. Die letzten Jahre waren nur noch vom Warten auf das neue Ziel geprägt, mit dem Mac als Sprungbrett in eine neue Zukunft.
    Jobs will die Puppen tanzen lassen. Er will seine Visionen in jedem Haushalt sehen, das Leben der Leute grundlegend ändern und nicht täglich am Rande der öffentlichen Wahrnehmung mit einem Nischenprodukt gegen übermächtige Konkurrenten ankämpfen.

    Und das in einer Zeit, in der jeder Alternativen zu Windows sucht. Jetzt werdet Ihr Euch fragen: "Warum den Macintosh dann aufgeben?" Ganz einfach: Umstiegswillige Windows-Nutzer denken über Linux nach, nicht über Mac OS. Schon mal gelesen: "Stadtverwaltung steigt auf Mac OS um"? Eher nicht, oder? Kein Wunder, es ist teuer und riskant genug, neue Software anzuschaffen und alte Hardware teilweise weiterzuverwenden. Die Zukunft ist nicht "Windows", aber auch nicht "Macintosh".

    Ist Linux die Zukunft? Ein Betriebssystem, das auf über 40 Jahre alten Konzepten basiert mit einem GUI-System, das aus den 80er Jahren stammt und im Desktop-Einsatz als Client-Server basiertes Modell keinesfalls ideal ist?
    Ist Java die Zukunft? "Wohin mit der Prozessorleistung? Verbraten wir Sie in einer Emulation, wir haben ja genug!" Ist es damit womöglich egal, welchen Computer man verwendet?
    Sind Desktop-Computer überhaupt die Zukunft? Sie sind wohl eher die Gegenwart.

    Was auf uns zukommt wissen wir nicht, aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Wort "Macintosh" vielleicht schon bald dieselben wonnigen Nostalgiegefühle auslöst, wie heute "C64" oder "Amiga".
    "Von Apple, das sind die, die heute auf Musik machen". Wenn sie Glück haben.

    Das sind lediglich meine Gedanken zur Zukunft Apples, und da sie scheinbar noch niemand bislang so formuliert hat, tue ich es jetzt.
    Aber wie es auch kommt, ich möchte Mac-User bleiben solange es geht - obwohl Corel aus dem Mac-Markt aussteigt, was ein verdammt schwerer Schlag für meine Arbeit ist.

    Viele Grüße,

    Simon
     
  2. fischlunge

    fischlunge MacUser Mitglied

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    Diese Aussage ist m.E. sehr pauschal.

    Zumindest mich selbst kann ich da ausschließen, auch wenn es sicherlich nicht der qualifizierteste Beitrag zu diesem doch gewichtigen Posting ist.
     
  3. lemonstre

    lemonstre MacUser Mitglied

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    nö, habs genauso gemacht. ende des jahres stand die anschaffung einer neuen workstation an. zur auswahl standen g5 (macosx) vs p4 (redhat linux) habe mich aufgrund der doch erheblichen anlaufschwierigkeiten mit dem g5 und dem immer schlechter werdenen preis leistungs verhältnis schweren herzens gegen einen g5 entschieden.

    da der switch zu linux leichter war als gedacht bereue ich die entscheidung nicht und kann nur jeden ermutigen es auch zu probieren. linux ist definitiv bereit für den desktop! und gnome steht von der usability kaum noch einem macos x nach.

    gruss
    lemonstre
     
  4. Jabba

    Jabba MacUser Mitglied

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    Mach mir doch keine Angst, mensch!

    Habe gerade erst Appetit auf Äpfel bekommen, da soll ich dann doch bei den Birnen bleiben?

    Also, ganz so schlimm seh ich es nicht. Klar, in Amerika ist der iPod der Renner und in jedem Music-Video zu sehen. Aber das Teil hat einfach zu viel Konkurrenz, um auf lange Sicht so erfolgreich zu sein. Es steckt doch schon in jedem 1,- Euro Handy nen MP3 Player drin. Solange da ein gewisser Hype bez. iPod besteht, wird dessen Absatz auch gut laufen, aber ich glaub, so ewig wird das nicht mehr dauern.
    Ausserdem, Du musst erstmal etliche davon an den Mann bringen, um den Umsatz von einem G5 zu erreichen.
    Was die gleichbleibende Anzahl der MAC User angeht, so seh ich das schon fast als Erfolg! Im Vergleich zu WIN PCs "teure" Geräte mit schlecht zu vermarktenden Eckdaten (Prozessortakt z.B., "keine" Software) in der heutigen Sparbrötchenzeit überhaupt zu verkaufen ist ne Leistung.

    In guter Hoffung, oder so ...
     
  5. Phobia

    Phobia MacUser Mitglied

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    @simon

    gut geschrieben, nachvollziehbar, alles klar. Nur, warum werden immer Apple mit PC verglichen. Der Vergleich ist absurd und nicht machbar. Apple ist eine Marke, eine Firma. PC ist die Bezeichnung für Produkte von zig verschiedenen Herstellern, Marken und Firmen. Man kann vielleicht HP PCs mit Apple vergleichen. Oder Dell mit Apple, aber nicht PC mit Apple. Da wird Apple niemals eine Chance haben. Wäre ja auch schlimm, wenn eine Firma gleich viele Computer verkauft wie hunderte andere Firmen.
    Ich glaube überhaupt, das das alles ein bisschen anders wird. Apple Computer und PCs werden immer näher zusammenrücken, bis alle die gleiche Technologie haben. Apple wird dann genauso wie HP oder Dell das gleiche Produkt erzeugen mit gleichem Betriebssystem, etc. Ob das Linux oder Gaga oder Pipi heisst, ist dabei egal. Computer wie in der jetzigen Form wird es überhaupt nicht mehr lange geben. Für zu Hause wird es ein kleines Kästchen beim Riesen Flat TV geben, man wird auf der Couch sitzen und per Sprachsteuerung alles erledigen. Der Computer wird zum Allrounder, der TV abspielt, Musik auf die Boxen bringt, Fotos und Filme verarbeitet, etc. Eigener Bildschirm ist dabei überflüssig.
    Diese Allrounboxen wirds von verschiedenen Anbietern geben, einer davon wird Apple sein, und das war´s. Aber vom derzeitigen Kasten mit eigenem Bildschirm, der auf einem Schreibtisch steht, davon werden wir uns in den nächsten Jahren 100% ig verabschieden. Egal ob von Dell, IBM oder Apple.

    Und die iPods kannst Du vergessen. In 2 Jahren kann das jedes Handy, und auch hier wird es tragbare Allroungeräte geben, die filmen, fotografieren, telefonieren, TV, faxen, mailen, musizieren, etc... Aber die wirds von Sony genauso wie von Apple oder Canon geben.
     
  6. apfeltaste

    apfeltaste MacUser Mitglied

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    Netter Versuch..

    leider hast du den Artikel 2 Jahre zu spät geschrieben.
    Schon mal was von G5 + OSX gehört?
    Sicher wird Apple auf absehbarer Zeit nicht den Markt beherrschen, aber wer will das auch. Apple macht seit Jahren Gewinn. Letztendlich welche Firma lebt schon ewig oder ist längerfristig Marktführer. Wahrscheinlich kommen auch für M$ irgendwann normale Zeiten.
    Eines ist sicher wenn Apple pleite geht erinnert sich schon lange keiner mehr an Medion
     
  7. HAL

    HAL Gast

    Selten so ein knappes und brillantes Statement gelesen. Respekt!

    Und die Zukunft an sich? Laptops mit Fähigkeiten, die uns jetzt
    noch wie blanke Utopie erscheinen, eine TFT-Bildwand in jedem
    vernünftigen Haushalt. Am liebsten wäre mir, wenn ich etwas in
    der Art einer Armbanduhr tragen würde, und alles optische direkt
    auf meine Netzhaut projeziert wird. Aber das dauert wohl noch
    ein bischen.

    Achja:

    Mag sein, aber mir fehlt es immer noch an professioneller Software.
     
  8. TrainSpoTtinG

    TrainSpoTtinG MacUser Mitglied

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    Dann auch mal eine *ernsthafte* Frage. Ohne das ich einen gleich - langen Beitrag schreiben muss:

    Wie oft hat man solche Prophezeiungen in denselben letzten Jahren lesen dürfen?

    Ich sehe das alles ganz und gar nicht so! Apple hat sich gemausert. Alleine in meinem Umkreis, im Fernsehen oder im Internet kommt der Mac immer mehr zur Geltung. Vielleicht liegt das am neuen System oder am Unmut über die starre Windows - Welt. Aber ich denke auch langfristig wird Apple uns noch mit innovativer Software begeleiten.

    Apropos.

    Warum ist das nicht innovativ? Ein schleppendes System aufgekauft, aufgeputscht, ein hübsches Aqua System daraus gemacht und einen gut laufenden stabilen Unix Kernel dazu. Oh ja .. das nenn ich sehr wohl modern und fortschrittlich. Warum kompliziert wenn es einfach geht? Unix ist nach wie vor das stabilste System. Wieso also mit gundlegend neuen experimentieren wenn das "alte" noch lange nicht an seinen Grenzen ist.

    So ich will gar nich weiter drüber diskutieren - ich hab eh meine Meinung :D cu
     
  9. simon.weber

    simon.weber MacUser Mitglied

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    Ein Problem, das bei allen Aussagen über zukünftige Entwicklungen auftaucht ist die Idee, dass jetzt im Moment gerade aktuelle Entwicklungen als Basis für eine theoretische Weiterentwicklung der Technologie genutzt werden. Dies trifft insbesondere für den Bereich der Unterhaltungselektronik zu.

    Deshalb glaube ich, dass die oben angegebene Quote zu kurz denkt. Der eigentliche Punkt - das ist auch der Hauptpunkt, den Simon ( :D mein Namensvetter :D ) da oben anspricht. Computer, wie wir sie heute kennen, gibt es schon seit 1984 (wenn man Apple glaubt) oder 1979 (XEROX Parc). Die Benutzeroberfläche hat seitdem keine besondere Weiterentwicklung mehr erfahren.

    Aus der Funktion der heute verwandten Benutzeroberfläche(n) lässt sich auch die Funktion von allen PCs (egal, ob Apple oder nicht) ableiten. PCs sind in erster Linie dazu da, (a) Daten zu speichern und (b) exakte Vermessungen vorzunehmen. Mit dem Internet kam noch ein bisschen Kommunikation dazu. Zu (a) und (b)

    a. Computer speichern Daten. Das sind Dateien (egal, in welchem Programm erstellt und zu welchem Zweck verwandt).

    b. Computer vermessen und verbessern. Insbesondere im Bereich des Desktop Publishing - vielleicht sollte man eher Digital Publishing sagen - stellt sich heraus, dass Computerprogramme nichts weiter tun, als in sie eingegebene (gespeicherte) Daten zu vermessen und zu verbessern. Darin beruht alle Art von Bildbearbeitung, eigentlich jede Art von Datenverarbeitung. (Die Definition, das gebe ich zu, wird ein wenig holprig, wenn man in den Bereich von Musik- und Videoschnitt vordringt, ist aber auch da noch nachvollziehbar.)

    Personal Computer (PCs) erfüllen also ganz bestimmte, von klaren Kriterien umrissene Aufgaben. Für jene Aufgaben sind die vom Computer verwendeten Eingabeinstrumente bestimmt - Keyboards zur Eingabe von Text; Mäuse zur Navigation; Scanner und digitale Kameras zur Eingabe von Bildmaterial; Audio-Eingänge und MIDI (und MIDI-ähnliche)-Anschlüsse zur Eingabe von Musik; Digitale Datenschnittstellen zur Übertragung von Bild- und Tondaten im Bereich von digitalem Video.


    Der momentan - oder sagen wir, in einem Zeitfenster von drei, vier Jahren - erreichte Leistungsstand von Computern reicht aus, um alle oben genannten Merkmale zu erfüllen. Da solche Tendenzen schon vor fünf Jahren erkennbar waren, erklärt sich daraus, warum "Style"-Projekte wie der neue iMac plötzlich erfolgreich waren: Computer waren nicht mehr nur Arbeitsgeräte, sondern begannen, alle Aufgaben, die Ihnen gestellt waren (s.o.) recht erfolgreich zu meistern. Die Technik kann alles; sie ist - egal wie schnell sie noch wird - ausgereizt.

    Die Diskrepanz zwischen ursprünglicher Aufgabe der PCs und der Technik, die nun alle diese Aufgaben erfüllen kann, verstärkt sich. Deshalb muss ein Computer "mehr sein" als zuvor. Auf solche Tendenzen spielt Apples "Digital Lifestyle" an. Es geht plötzlich um ein fast schon religiös anmutendes zentrieren des alltäglichen Lebens um den "kleinen digitalen Helfer". Da Apple schon immer diese Aura des "Besonderen" um sich scharte, klappt diese Einbindung eines solchen Konzeptes erst recht bei dieser Firma. Käme Microsoft mit irgendeinem "Digital Lifestyle" an, würde unsere kleine Softwareschmiede aus Redmont nur müde belächelt.

    Was muss also in den nächsten Jahren (Jahrzehnten?) mit den PCs geschehen, welche Evolution müssen sie durchlaufen, damit diese Diskrepanz zwischen Leistung und Aufgabe neu entsteht - will sagen, damit die Computerindustrie wieder neue Entwicklungen beginnen kann? Ich glaube, dass wir eine komplett neue Benutzeroberfläche entstehen sehen werden, die meiner Meinung nach im Bereich von 15-25 GHz erstmals vernünftig benutzbar sein wird und mit ca. 200-500 Ghz (und natürlich ähnlich "guten" Speichern, etc.) "richtig Spaß machen" kann: Sprach- und Gestenerkennnung und die Entwicklung von komplett neuen Bildschirmsystemen. Ich denke, es werden Firmen mit Ideen reich werden wie:

    - ein Programm, dass eine Partitur (handgeschrieben) in wenigen Sekunden/Seite einliest, und dann einem Menschen gestattet, einen digitalen Taktstock zu erheben und zu dirigieren - und der Computer spielt das Stück*

    - einem Digitalen Assistenten ähnlich dem, der von Apple mal als "Knowledge Navigator" vorgestellt wurde (googelt mal danach, ist ein Klasse Filmchen)

    - usw, da kann man viel in der Richtung weiterdenken.

    (*Dies war/ist der Wunschtraum meines ehemaligen Kompositionslehrers :) ).

    Insofern ist das von Simon oben beschriebene "Problem Apples" ein Problem der gesamten Computerindustrie.

    Ich bin ehrlich gesagt eher beruhigt, dass Apple immer noch eine genauso große Userbasis hat wie 1996 - ich hatte gedacht, wir Apple-Freaks schrumpfen langsam aber sicher ins digitale Nichts zusammen :( .

    Gruß
    Simon Weber
     
  10. microboy

    microboy MacUser Mitglied

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    ganz kurz nur:

    der markanteil von apple im computerbereich ist um einiges
    höher als der markanteil von daimler-chrysler am weltweiten
    automarkt!


    :D
     
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