auslands-kunde (usa) zahlt nicht – wie mahnen/rechtl. schritte?

Dieses Thema im Forum "Freelancer Forum" wurde erstellt von ziemlichgut, 27.02.2007.

  1. ziemlichgut

    ziemlichgut Thread Starter MacUser Mitglied

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    tag zusammen!

    habe anfang dezember von einer us-fachzeitschrift einen fotoauftrag bekommen (porträt eines geschäftsmanns in neuss).
    auftragsangebot und -bestätigung per email/pdf. bild geschickt, rechnung geschickt, alles in ordnung. hatte eine zahlungsfrist auf der rechnung von vier wochen gesetzt (natürlich hab ich auch nicht vergessen, meine bankverbindung in internationaler version dazuzuschreiben, alles natürlich in englisch).

    zahlungsfrist läuft ab, nach sechs wochen erste mahnung per mail. artidrector antwortet, es sei normal daß man schonmal 40-50 tage auf die bezahlung warten müsse, sei halt ein grosser verlagskonzern ...
    abgezeichnet von ihm und seinem chef sei die rechnung auf jeden fall.
    nach sechzig tagen immer noch nix da. weitere email bringt nur vertröstung ("don't worry, you will be paid" ...).

    jetzt (letzte woche) habe ich mit hilfe eines englsich-musterbriefes nochmal eine höflich formulierte schriftliche mahnung per post-einschreiben geschickt.

    habe langsam die schnauze voll und brauche das geld (1000$) schon. kann ich denn irgendwelche rechtlichen schritte von hier aus (anwalt) einleiten?
    hat da irgendjemand von euch ähnlcihe situationen erlebt und könnte mir helfen?

    danke schonmal für jede antwort!
    ziemlichgut
     
  2. roitherkur

    roitherkur MacUser Mitglied

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    Geh halt einfach mal zum Anwalt. Hier wird dir eh niemand verbindliche Auskünfte geben können.
     
  3. Sterling

    Sterling Banned

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    Invoice for the Delivery of Services ...

    Das Thema ist im Zeitalter der Globalisierung "brandheiß", denn wie schnell die kreative Szene aus Germany springt, wenn ein Auftraggeber in den vereinigten Staaten von Amerika sitzt und einen Job vergibt, sehe ich in den feuchten Augen der Studenten, die das als Sprungbrett für den internationalen Einstieg in einen Markt bewerten, der so unglaublich groß ist, das man hierzulande davon träumt. Und dann so was. Zahlungsverweigerung und dazwischen liegt der Atlantik. Das ist viel Wasser. Dagegen erscheinen die verschiedenen Rechtsgrundlagen der Nationen als kurze Distanz, denn es kommt auf den Gerichtsstand an, doch der Ärger bleibt identisch.

    Eine Klage gegen einen Auftraggeber aus den USA, wenn man als Anbieter selbst in Deutschland sitzt? Kommt auf die Streitsumme an. Doch bei 1000 US-Dollar (sprich 755,86 EUR) wirft man sicher mehr Geld dem Anwalt hinterher, als man letztendlich erwarten kann. Als US-Firma wäre ich sehr zufrieden, denn was in Deutschland Recht ist, ist den Amerikanern recht und billig.

    Was kann schief gelaufen sein?

    Viel! Und sehr oft fehlen einfach nur Angaben auf der Rechnung, die erwartet werden. Alles in Ordnung? Mag sein. Aber wichtiger als die Meinung des AD ist in diesem Fall das Feedback der Buchhaltung des Verlages! Ich hoffe, Du hast auf der Rechnung neben Deinen Kontoangaben auch Angaben zur IBAN (International Bank Account Number) sowie den BIC (Bank Identifier Code, auch SWIFT-Code genannt), hinzugefügt, der aus acht bzw. elf Stellen besteht, denn einige Länder bzw. die Finanzbuchhaltung (Software) der Kunden verlangen diesen Code zusätzlich zum Routing der Zahlungen.

    Der Art Director sitzt bekanntlich nicht in der Buchhaltung. Transaktionen, die zwar abgezeichnet sind, aber zu Buchungsproblemen führen, bekommt der Art Director gar nicht mit. Die Rücksprache wird nur zu dem Ergebnis führen, das er bestätigt und wiederholt, die Sache abgezeichnet zu haben. Die Sachbearbeiter in der Buchhaltung sind stets angewiesen, nur korrekt ausgestellte Rechnungen zu bearbeiten und falls Deine Angaben nicht im Sinne eines "grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs" korrekt sind, dann gehen weder Überweisung noch Scheck raus. Apropos Scheck: Vorsicht, die Zahlung per Scheck ist in den USA immer noch sehr beliebt, aber anderes als bei unserem Euroscheck gibt es keine Garantie, das der Scheck tatsächlich gedeckt ist! Solltest Du einen Scheck per Post erhalten, dann bitte nicht zu früh freuen.

    Zudem solltest Du auch in der Rechnung festlegen, wer die Überweisungskosten tragen muss, denn internationale Transaktionen lassen sich Banken grundsätzlich was kosten. Ein paar Cent können in Deinen Augen wenig sein, aber Unternehmen nehmen jeden Cent wichtig. Meistens sind es für deutsche Banken viele Cent, denn auch wenn Computer untereinander arbeiten, so ist das nicht kostenlos. Und dann – last but not least – ist die Frage nach den Angaben zu der Umsatzsteuer wie folgt zu beantworten: Im Zweifelsfall den Steuerberater fragen, denn ob eine Fotosendung Kunst oder Gewerbe ist, darüber gibt es viele Meinungen, aber nur wenige klare Wahrheiten. Und die holt man sich grundsätzlich dort, wo Verantwortung auch unterschrieben wird. Interessant ist auch, wie Du die Angelegenheit mit den Nutzungsrechten auf diesem Weg geklärt hast, denn das ist ja schon heikel genug, wenn man einfach mal etwas per E-Mail sendet.

    Tja, ich wünsche Dir viel Glück, falls es die Firma ehrlich meint und ihre Rechnung noch bezahlt. In den Staaten gibt es inzwischen, wie auch in Europa, den Trend "User Generated Content", wo Fotografen nicht mehr als Profis vergütet werden, denn Privatleute mit Digicam liefern selbst die Fotos. Ist unglaublich billig (was den Anspruch betrifft), aber dafür unglaublich preiswert. So kann man mit wenig Geld ganze Teams beauftragen und am Abend liefern sie ihre vollen Flashspeicher in der Redaktion ab. Ein Foto für 1000 US-Dollar zu verkaufen, wird in Zeiten, wo es Fotos für 20 US-Dollar vor Ort zu kaufen gibt, schwierig sein – und in Zukunft immer schwieriger werden, denn die Digitaltechnik überflutet ganze Branchen und jeder Depp fühlt sich als Fotograf oder Kameramann berufen.

    Falls sich das US-Unternehmen nicht mehr meldet: Das macht denen nichts aus. Sie haben ja viel Wasser dazwischen und mit den Gesetzen aus Deutschland nichts zu tun - leider. Für den von Dir genannten Betrag würde ich rechtlich nichts unternehmen, denn wo soll das hinführen? Wo willst Du klagen? Ist eben Lehrgeld, in Zukunft nur noch alles wasserdicht mit Verträgen zu machen, ganz besonders bei Ländern außerhalb der EU.

    USA – immer eine Reise wert.

    - Sterling
     
  4. ziemlichgut

    ziemlichgut Thread Starter MacUser Mitglied

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    tjaaaa, hm.hört sich ja nicht so gut an :(

    trotzdem danke für eure antworten
     
  5. bekazor

    bekazor MacUser Mitglied

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    da hänge ich mich mal mit einer frage an,
    habe am wochenden einen job in london gemacht,
    veienbarte gage waren 600 GBP
    was schreibe ich denn auf die rechnung ?
    EUR oder GBP oder wie ?

    lg bekazor
     
  6. ziemlichgut

    ziemlichgut Thread Starter MacUser Mitglied

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    die vereinbarte summe – in pfund. bei der gutschrift auf deine konto rechnet das deine bank automatisch zum tagesaktuellen kurs in euro um.
     
  7. bekazor

    bekazor MacUser Mitglied

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    danke ;)

    lg bekazor
     
  8. chris25

    chris25 MacUser Mitglied

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    Also bei Großunternehmen (und dem Staat hier in Deutschland) kann es tatsächlich Wochen bis zig Monate dauern, bis Rechnungen bezahlt werden. Das läuft dann unter Cash-Flow-Optimierung.

    Ich glaube nicht, daß sie die Zahlung endgültig verweigern werden, sonst wäre Deine Emailadresse wohl schon in derem Junk-Filter.

    Einen Anwalt zu beauftragen lohnt bei der Summe sicherlich nicht, zumal Du einem US-Anwalt für einen Formbrief wohl mindestens die gleiche Summe zusätzlich vorstrecken müßtest ;)
     
  9. Konrad Zuse

    Konrad Zuse MacUser Mitglied

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    Was lernen wir daraus? Auslandskunden müssen grundsätzlich per Vorkasse zahlen, es sei denn es besteht schon eine langjährige Zusammenarbeit!
     
  10. ziemlichgut

    ziemlichgut Thread Starter MacUser Mitglied

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    naja vorkasse ... dienstag bekomm ich per mail den auftrag, freitag mittag sollen die bilddaten beim kunden sein. in der kurzen zeitspanne wäre auch vorkasse net möglich gewesen.
    aber ich weiß, was ihr meint, ich hätte mich vorher besser absichern sollen.
    immerhin gab's die tage nochmal eine mail vom AD, daß er der rechnung mal in der buchaltung hinterherforschen lässt.
    es bleibt hoffnung ...
    :rolleyes:
     
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