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falkgottschalk

Strohhalme für die Füße

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von
falkgottschalk
am 23.06.2008 um 21:49 (873 Hits)
Vielleicht ist dem einen oder anderen noch bewusst, dass ich wortwörtlich auf großem Fuß lebe. Nicht, dass ich das nötige Kleingeld hätte - ich rede von der Schuhgröße, die mit 48/49 schon etwas aussergewöhnlich ist.

Dass Kollegen mich zum Einkaufen gerne in die Abteilung für Schlauchboote oder Kindersärge schicken finden die zwar witzig, aber ich kann Euch sagen: da gibt es keine Schuhe in meiner Größe. Und witzig finden das weder die dortigen Verkäufer noch ich.

Wer jetzt meint, dass man in einem normalen Schuhgeschäft etwas Passendes findet, der irrt gewaltig: die normalen Läden hören im Regelfall bei Größe 46 auf und die für die so genannten Übergrößen fangen bei 50 an. Und dazwischen, da bin ich.

Es ist in dem Zusammenhang immer ein "belebendes" Gefühl, wenn man mal wieder Schuhe kaufen MUSS (von Wollen kann da keine Rede mehr sein), bereits so etwa 20 Läden im Umkreis von 50 km abgeklappert hat und miterleben muss, wie so ein kleinwüchsiger Zwerg mit Schuhgröße 43 inmitten von 30 Paaren passender Schuhe sitzt und mit der Verkäuferin diskutiert, dass er die Schnallen gerne in silber und nicht goldfarben möchte, dafür den Zierrand in türkis, und am Ende gelbe Punkte innen und grüne Dreiecke außen möchte. Die Verkäuferin meint dann "Moment, hole ich mal eben aus dem Lager". Die an dieser Stelle normalerweise entstehende Kunstpause nutze ich dann für meine Frage "Haben Sie irgend etwas im Größe 48/49"? und bekomme im Normalfall im Weggehen ein "Nein" entgegen geschmettert. (Gelegentlich kommt es vor, dass vor dem "Nein" noch ein "ich suche mal im Lager" und ein kurzzeitiges Verschwinden der Verkäuferin zu bemerken ist).

Klasse... Bei solchen Problemen klammert man sich an jeden Strohhalm. (Hier ist übrigens jetzt die Verbindung zum Titel...)


Umso mehr erfreut war ich kürzlich, als mir ein Kollege von einem FACTORY-OUTLET eines namhaften Herstellers von Herrenschuhen berichtete, der MEHRERE REGALE VOLLER SCHUHE IN MEINER GRÖSSE haben sollte.
Leute mit kleinen Füßen können das nicht nachvollziehen, aber ein Physiker muss sich ähnlich fühlen wenn ihm jemand sagt es gäbe da ein Fachgeschäft für Uran und er könne aus dem Regal aus 10 Sorten wählen. Oder ein Beatles-Fan hört von einem Laden, in dem alle Platten als Erstpressung mit Original-Autogrammen aller Beatles als Nice-Price angeboten werden.

Also am Samstag nichts wie auf in Richtung Süden (etwa 200 km weit) und rein in den Laden. Wow, den gab es ja wirklich.

Regale abgrasen ... 44 .. 46 ... 48 ... 50!
Wow! Weihnachten, Ostern, Papstwahl, Weltmeister, Europameister, König von Deutschland.

An dieser Stelle sollte ich einwerfen, dass ich neben der Größe eigentlich nur 2 Wünsche an Schuhe habe: keine Gummisohlen und keine Schnürsenkel. Ersteres aus Gründen der Sicherheit beim Autofahren (ich bin da mal sehr schwungvoll von der Bremse abgerutscht, als auf der Landstraße ein Traktor vom Feld kam…) und Letzteres aus Gründen der Bequemlichkeit.

Ich bestaune also die Schuhe in der Wunschgröße und gehe die Regale durch.
Ledersohle mit Schnürsenkel, Gummisohle mit Schnürsenkel, Hochglanz-Leder mit Hochglanz-Schnürsenkel (damit schafft man bestimmt 50 m auf dem Teppich im Büro Sohle am Rande der Supraleitung), usw.
Die Kombination "Gummisohle ohne Schnürsenkel" kam genauso wenig vor wie "Ledersohle ohne Schnürsenkel".

Mathematisch korrekt weggekürzt: es gab GAR KEINE Schuhe ohne Schnürsenkel.
Für einen Factory-Outlet machte mich das stutzig aber bestimmt haben die mal was im Lager für mich. Also das nette Regal-Auffüll-Mädel gefragt und sie meint "da muss ich mal im Lager schauen, ob WAS da ist". Ich hasse diesen Satz, da er normalerweise die bereits erwähnte Vorstufe des "Nein" ist.

Und es kam wie es nach dem Satz immer kommt: NEIN, haben sie nicht. Nichts, nix, nada, niente.
seuftz...

Also aus purer Verlegenheit habe ich dann ein Paar mit Schnürsenkeln und Gummisohle eingepackt (verbuchen wir das morgendliche Bücken als Fitness-Übung) und auf zur Kasse.

Da Läden bekanntlich nur besser werden können, wenn man sie auf Mängel (oder das, was der Kunde darunter versteht) hinweist, habe ich dort dezent darauf hingewiesen dass ich die Auswahl doch eher für etwas bescheiden halte. Die Argumentationslawine der Kassiererin bestand aus einem "Tja", das ein anwesender Verkäufer mit einem dümmlichen, aber geräuschlosen Grinsen anreicherte.

Ich meinte: "Und? Das hier nennt sich doch Factory-Outlet, da sollte die Auswahl doch etwas besser sein als beim Laden um die Ecke. Und so gar kein einziges Paar ohne Schnürsenkel, dafür aber 60 mit? Das ist doch wohl ein Missverhältnis."

Kommentar des Verkäufers: Ach, wissen Sie, Slipper in der Größe gehen gerne mal kaputt".

Davon abgesehen, dass ich derartige Schuhe seit mindestens 20 Jahren nahezu ausnahmslos trage und die Ausfallerscheinungen daher nicht bestätigen kann, sollte das doch dem Lade ganz recht sein und den Umsatz ankurbeln? Ich kann ja schlecht die Füße etwas verkürzen...

Fazit: ein Factory-Outlet ist auch nicht mehr das was er mal war. Ein Laden wie jeder andere der Mainstream bedient und der Rest der Kundschaft kann bleiben wo der Pfeffer wächst - aber ob es dort passende Schuhe in meiner Größe gibt?
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